Weitere Nachträge zum Recueil Général moreSchweizer Münzblätter Bd.41, Heft 161 (1991) 2-5 + Korrekturnachtrag. |
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WEITERE NACHTRAGE ZUM RECUEIL GENERAL
Axel Jiirging
Im letzten Band der SNR hat W. Weiser zahlreiche Erganzungen und Korrekturen zu dem
von W.H. Waddington begonnenen und von E. Babelon und Th. Reinach fortgefuhrten
monumentalen Recueil general des mommies grecques dAsie Mineure vorgelegt.1 Zwei weitere Er-
ganzungen zum Rec. gen., der noch heute die Grundlage fur jede Beschaftigung mit der
Miinzpragung des nordlichen Kleinasiens bildet, sind Gegenstand dieser Miszelle.
1. Kaisareia, nichtAmisos
In der erheblich erweiterten zweiten Auflage des Pontus und Paphlagonien umfassenden
Teilbandes des Rec. gen. wurde fur Amisos unter der Nummer 72a eine Miinze des Claudius
I. aus der Sammlung des Grossfiirsten Michailowitsch (Kiirzel im Katalog: GD Due) mit
folgender Beschreibung aufgenommen:
Vs. «KAICAP KAAYAIOC. Tete lauree, a droite.»
Rs. «ETOYC KAICAfPOC]. Ch. a g. II... (80 + x). Tete de la Tyche tourelee, a droite».2
Stutzig macht bereits das Fehlen eines Ethnikons, das wir sonst auf den Miinzen von Amisos
stets finden.3 Die Zuteilung an Amisos im Rec. gen. scheint allein auf der als «I1...» gelesenen
Datierung zu beruhen, die sich bei einem Beginn der amisenischen Ara 31 bzw. 32/31 v.Chr.4
zu Datierungen von 80 = 48/49 n.Ghr. bis 86 = 54 n.Chr. erganzen liesse. Die Miinze ist im
Rec. gen. auf Taf. G. 22 (hier Abb. A) abgebildet, so dass sich ihre Beschreibung uberpriifen
lasst. Auf der Abbildung ist deutlich, dass die zweite senkrechte Haste des angeblichen Pi fehlt.
In Betracht kame neben einem Gamma allenfalls ein «T ...», was einen Beginn der Stadtara
zwischen 260/259 v.Chr. und 246/245 v.Chr. voraussetzte. Zunachst ist damit festzuhalten,
dass die Miinze der Sammlung Michailowitsch im Rec. gen. verlesen und der Typ der
Tychebuste, der in Amisos sonst nur fur die Zeit Trajans belegt ist,5 fur Claudius I. zu streichen
ist.
Eine Neuzuweisung des Stiicks ermoglicht die Ruckseitenlegende, die folgendermassen zu
erganzen ist:
1 W. Weiser, Rpmische Stadtmiinzen aus Bithynia et Pontus. Addenda und Corrigenda zum Recueil
general, SNR 68, 1989, 47-74, Taf. 2~6. Erganzungen zum Rec. gen. brachten bereits R. Miinsterberg,
Nachtrage zum Recueil general, NZ 54, 1921, 127-143, und K. Regling in seiner Rezension der 2. Auflage
des 1. Teilbandes des Rec.gen. (ZfN 36, 1926, 255-260).
2 Diese Beschreibung wurde ubernommen von A. Malloy, The Coinage of Amisus (o. O. 1970), Nr. 94.
3 Zumeist im Genitiv Singular (Rec.gen.2 51, 68, 71, 72, 73-74d usw.), im 1. Jahrhundert n.Chr. aber
gelegentlich auch im Genitiv Plural (Rec.gen.2 50b, 69, 69a, 70, 70a).
4 Zu der Ara von Amisos siehe C. Bosch, Kaiserdaten auf kleinasiatischen Miinzen, Numismatik 2, 1935,
35, und, geringfiigig von diesem abweichend, W. Ramsay, The Historical Geography of Asia Minor (London
1890) 441. Nach beiden Autoren endete das erste amisenische Jahr 31 v.Chr.
5 Rec.gen.2 53a.
2
Sonderdruck aus «Schweizer Miinzblatter» 41/161, 1991
ETOUC KAICAPEWN G.6
Ein vollstandig lesbares Exemplar sei hier zum Vergleich abgebildet (Abb. B).7 Der Typ
wurde friiher nach Kaisareia in Samarien8 oder auch Anazarbos9 gelegt; F. Imhoof-Blumer,
der ihn erstmals korrekt beschreiben konnte, wies ihn Kaisareia in Kappadokien zu.10 Fur eine
Zuweisung an das kappadokische Kaisareia, die heute allgemein akzeptiert ist,11 spricht ins-
besondere die Datierung nach Regierungsjahren (hierjahr 3 =42/43 n.Chr.12).
2. Die Emission des Gains Papirius Carbo in Prusa am Olympos
Gaius Papirius Carbo, der 61-59 v.Chr. amtierende Statthalter der Provinz Bithynia et
Pontus, liess in Nikaia und Nikomedia, in geringerem Umfang auch in Apameia, Bithynion,
Prusa am Olympos und Amisos Aesmiinzen mit weitgehend einheitlichen Typen pragen13. Fur
Prusa am Olympos ist lediglich das mit einem Durchmesser von etwa 24 mm grosste Nominal
dieser Emissionen bekannt:
Vs. nPOVXAEQN (links).
Kopf des Dionysos mit Weinkranz nach rechts; im Abschnitt: AKX (224), rechts im Feld:
Rs. Em TAIOY (rechts), nATIIPIOY / KAPBQNOX (links), im Abschnitt: PQMH.
Roma auf Schilden nach links sitzend, halt kleine Nike und Zepter (Abb. C)14.
Der Typ ist fur Prusa nur schwach belegt; eine Durchsicht des publizierten Materials ergab
lediglich neun Exemplare.15 Hier kann folgende neue Variante vorgelegt werden:
6 DerTypistkeineswegsselten: SNGAulock6347-6348; SNG Cop. 177;E.Babelon5Inventairesommaire
de la collection Waddington (Paris 1898) 6746 (Jahr unleserlich); H.C. Lindgren- F.L. Kovacs, Ancient Bronze
Coins of Asia Minor and the Levant from the Lindgren Collection (San Mateo 1985) 1695; ANS = B.L.
Marthaler, Two Studies in the Greek Imperial Coinage of Asia Minor (Ph.D. Minnesota 1968) 66, Nr. 33;
British Museum (2. Ex.) = G.F. Hill, Greek Coins Acquired by the British Museum, 1911-1912, NC 4.13,
1913,270; F. Sternberg (Zurich), Auktion 28.11.1975, Nr. 37 (Taf. 3); Numismatik Lanz (Miinchen), Auktion
44, 16.5.1989, Nr. 495 (Taf. 23); Schulten (Koln), Auktion 19.4.1989, Nr. 319 (Abb.).
7 AE 19,9 mm; 4,55 g; 360°; Slg. des Verfassers.
8 T.E. Mionnet, Description de medailles antiques, grecques et romaines, Supplement Bd. 8 (Paris 1837)
335, Nr. 3 (nach Vaillant); F. de Saulcy, Numismatique de la Terre Sainte (Paris 1874) 115, Nr. 2 (Taf. 18.2).
Mionnet und de Saulcy lasen das Datum jeweils als ir = 13.
9 G.F. Hill, BMC Cilicia (1900) 32, Nr. 5 (Taf. 5.13 [Rs.]).
10 F. Imhoof-Blumer, Monnaies grecques (Amsterdam 1883) 417, Nr. 181.
11 Ausser den in Anm. 7 Genannten noch E. Sydenham, The Coinage of Caesarea in Cappadocia,
Nachdruck der Ausgabe London 1933 mit einem Nachtrag von A. Malloy (New York 1978) Nr. 58.
12 ZurJahreszahlung in Kappadokien siehe P.R. Franke, Zur Chronologie der Statthalter von Cappadocia-
Galatia, Chiron 9, 1979, 378f.
13 Nachweise bei Weiser a.O. 48-50.
14 Abgebildet ist das Pariser Stuck aus der ehem. Sammlung Waddington nach Rec.gen. 1 (a), Taf. 99.1.
15 Ausser den im Rec.gen. 1 (a) - (f) aufgefuhrten sechs Exemplaren kenne ich nur noch drei weitere:
7. SNG Cop. 583 (SNG Cop. 584 ist wohl identisch mit Rec.gen 1 [c]);
8. R. Ball Nachf. (Berlin), Auktion 6, 9.2.1932, Nr. 760 (Taf. 22);
9. D. Salzmann u.a., Antike Miinzen. Ausstellung Museum Bochum - Haus Kemnade 2.6.-30.6.1973,
Nr. 354 (Taf.).
? Numismatica (Wien), Auktion 15, 22.3.1977 (Sammlung Hollschek), ex Nr. 458 (ohne Abb.).
3
Vs. Wie oben, im Abschnitt: (?) AS, rechts im Feld: [~5
Rs. Wie oben, aber links im Feld: |\p
AE 24,6 mm; 6,20 g; 360°; Slg. des Verfassers (Abb. D).
Monogramme kommen auf den Miinzen des Carbo haufig vor. Gleichwohl waren die
beiden Monogramme der hier vorgelegten Miinze bislang weder fur Prusa noch fur eine der
anderen unter Carbo pragenden Miinzstatten bekannt. Allenfalls hat das hier nur teilweise
erkennbare Vorderseitenmonogramm eine mogliche Entsprechung in Apameia.16 Eine
Kombination von Monogrammen auf der Vorder- und auf der Riickseite ist sonst offenbar
nur in Nikaia fur das Jahr 224 belegt.17
Bedauerlicherweise ist just die entscheidende Ziffer der Datierung ausserhalb des
Schrotlings. Mit dem Namen des Carbo sind fur Prusa Miinzen nur aus dem Jahre 224 = 62/
61 v.Chr.18 bekannt geworden. Auch die anderen Stadte pragten, bis auf Nikaia, fur das
zusatzlich eine Ausgabe aus dem Jahr 222 bekannt ist, ausschliesslich im Jahr 224 = 62/61 v.
Chr.19
Die sitzende Roma, das fur dieses Nominal in alien Stadten einheitliche Riickseitenbild,
erscheint in geradezu griechischem Gewande als cPc6|Lir| NlKT|96pO<;. Der Typ der auf einem
Schildhaufen sitzenden und eine kleine Nike haltenden Roma spielt auf den Sieg iiber Roms
grossen Widersacher im Osten, Mithridates VI. (120—63 v.Chr.), an.20 Der Dionysoskopf auf
der Vorderseite ist dagegen schwerer zu deuten. Ch. Battenberg versuchte, ihn in Zusam-
menhang mit der Alexander-Imitatio des Pompeius zu bringen,21 doch ware eine solche
Bedeutung des Dionysoskopfes fur den antiken Beobachter wohl nur schwer erkennbar
gewesen. Moglicherweise nimmt der Vorderseitentyp auf die sagenhafte Griindung Nikaias
durch Dionysos Bezug.22 Allerdings ist der Dionysoskopf fur dieses Nominal nicht nur in
Nikaia, sondern auch in Prusa, Apameia und Bithynion belegt,23 fur die eine Griindung durch
Dionysos nicht iiberliefert ist.24
16 Rec.gen. 29.
17 Rec.gen. 7, vgl. Rec.gen. 9 (anderer Typ).
18 Zur Ara vgl. Weiser, a.O. 48 mit weiteren Nachweisen.
19 Apameia: Rec.gen. 29-30. Bithynion: Rec.gen. 1-2. Nikomedia: Rec.gen. 1-6. Nikaiajahr 222: Rec.gen.
2, 5; Jahr 224: Rec.gen. 3, 4, 6, 7, 8, 9. Einzig Amisos pragt ohne Datierung, Rec.gen. 45.
20 Ch. Battenberg, Pompeius und Caesar. Personlichkeit und Programm in ihrer Miinzpropaganda (Diss.
Marburg 1980) 27-29.
21 Battenberg a.O. 29-36.
22 Eine solche Moglichkeit scheint Weiser a. O. 50 zu erwagen. Nikomedia und das weit im Osten gelegene
Amisos pragen den Romatyp dagegen mit anderen Vorderseitenbildern, namlich mit Zeus bzw. Athena, die
beide einen lokalen Bezug haben, vgl. hierzu Weiser a. O. 50, Anm. 8.
23 Apameia: Rec.gen. 29. Bithynion: Rec.gen. 1. Prusa: s.o.
24 Zu den Griindungssagen von Prusa, Apameia und Bithynion siehe W. Leschhorn, «Griinder der Stadt».
Studien zu einem politisch-religiosen Phanomen der griechischen Geschichte (Stuttgart 1984) 278-284. Fur
Prusa vgl. ferner T. Corsten, Zur Griindung von Prusa ad Olympum, Tyche 4, 1989, 33f.
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Weitere Nachtrage zum Recueil general
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Durch ein Versehen der Druckerei 1st die Neulesung
der Legende von Nr, 1 nicht mit griechischen Buchsta-
ben wiedergegeben. Richtig 1autet sie:
6TOYC KAICAPES2N F.