Die erste Emission Gordians III. moreJahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 45 (1995) 95-128. |
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Jahrbuch fur Numismatik und Geldgeschichte 45, 1995 95
AXELJURGING
(Bonn)
Die erste Emission Gordians III.
(2 Tafelri, 3 Tabellen)
Die Anfangsemission Gordians III. wurde von R. Gobi in seinem
grundlegenden Lehrbuch zur antiken Numismatik als Beispiel fur eine
romische Miinzemission ausgewahlt.1 Das Auftauchen einiger bislang un-
bekannter Stiicke aus dieser Emission2 (s. u. I) gibt Anlafi zu einer erneu-
ten Untersuchung der friihen Miinzpragung Gordians III. (II) und zur
Beschaftigung mit methodischen Aspekten der Rekonstruktion des Prage-
plans einer Emission (III); abschliefiend sollen die Typen in ihren histori-
schen Kontext gestellt werden (IV).
- I.
Die 1. Emission Gordians III. in Rom umfafit die Typen FIDES MI-
LITVM, IOVI CONSERVATORY PAX AVGVSTI, PROVIDENTIA
AVG, VICTORIA AVG (linkshin) und VIRTVS AVG.3 Bereits O.
Fur Auskiinfte und Anregungen sowie die Ubersendung von Gipsen und Fotos mochte ich
M. Amandry, R. Bland, G. Dembski, K. Fleissner, G. His, Ch. Howgego, D. O. A. Klose,
W. E. Metcalf, J. Nolle, U. Peter, D. Raab, E. Reuft, S. Schultz, W. Szaivert, O. von Vaca-
no, J. P. A. van der Vin, A. Wenninger und V. Zedelius herzlich danken. Besonders bin ich
C. Clay, E. Meyer-Zwiffelhoffer und R. Ziegler verpflichtet, die die Freundlichkeit besa-
ften, das Manuskript zu lesen und denen zahlreiche Verbesserungen zu verdanken sind.
Abgekiirzt zitiert werden:
GnecchiF. Gnecchi, I medaglioni romani, 3 Bde., Mailand 1912.
Gobi R. Gobi, Antike Numismatik, 2 Bde., Miinchen 1976.
HCC A. Robertson, Roman Imperial Coins in the Hunter Coin Cabinet. University of
Glasgow, 5 Bde., London 1962-1982.
Loriot X. Loriot, Les premieres annees de la grande crisis du Hie siecle: De l'avenement
de Maximin le Thrace (235) a la mort de Gordien III (244), ANRW II 2 (1975),
657-787.
Pink K. Pink, Der Aufbau der romischen Miinzpragung in der Kaiserzeit III, NZ 68,
1935, 12-34.
Voetter O. Voetter, Die romischen Miinzen des Kaisers Gordianus III. und deren antike
Falschungen, NZ 25, 1893, 385-420.
1 Gobi II, 278, Tf. 174 f.; hierzu ebenfalls ders., Die Rekonstruktion antiker Pragesysteme
und ihre Bedeutung fur die historische Forschung, ANRW II 1 (1974), 898-900.
2 Zum Begriff der Emission vgl. Gobi I, 170; ders., Eckhelinarium II. Die Emission, NZ
98, 1984, 11-16 und M. R. Alfoldi, Antike Numismatik, Teil I, Mainz 1978, 55 f. Zum
Begriff des Typs vgl. Gobi I, 43 f.
3 RIC 1-13, 254-259. Zu den Einzelheiten der Emissionszusammensetzung vgl. unten.
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Axel Jiirging
Voetter, dem wir die erste systematische Ordnung der Miinzpragung
Gordians III. verdanken, stellte diese Emission unmittelbar vor die bild-
gleiche Emission mit der Legende PM TRP II COS PP an den Anfang
der stadtromischen Miinzpragung des Kaisers.4 Die Verwendung
der friihen, ausfiihrlichen Vorderseitenlegende IMP CAES M ANT
GORDIANVS AVG und das gelegentliche Vorkommen von ungewohn-
lichen, den Ziigen des Balbinus bzw. des Pupienus noch stark verpflichte-
ten Portraits des jungen Kaisers in der 1. Emission5 (vgl. Tf. I 1 b - 2 b,
I 7) bestatigen die relative Chronologie Voetters. Entscheidend spricht
fiir eine Datierung der Emission direkt an den Regierungsanfang, dafi
sonst keine Emission mit einem nennenswerten Miinzausstofi in das erste
Halbjahr der Alleinherrschaft Gordians III., d. h. in die Zeit vom Regie-
rungsbeginn im Mai oder Juni 238 n. Chr.6 bis zum Jahresbeginn 239
n. Chr. gelegt werden konnte,7 eine schlechterdings nicht vorstellbare
Liicke. Die Emission mit FIDES MILITVM etc. wird daher hier als die
erste quantitativ bedeutende8 Emission Gordians III. als Nummer eins
gezahlt.9
4 Voetter, 396 f. Voetters relative Chronologie ist insoweit heute allgemein akzeptiert, vgl.
H. Mattingly, RIC IV/3 (1949), S. 4 f.; S. Eddy, The Minting of Antoniniani A.D. 238-
249 and the Smyrna Hoard, NNM 156, New York 1967, 77; R. A. G. Carson, Coins of the
Roman Empire, London - New York 1990, 79.
5 Zu diesem Phanomen siehe H. Mattingly, The Great Dorchester Hoard of 1936, NC
1939, 47, Tf. 2; ders., RIC IV/3, S. 15 Anm. f; P. Le Gentilhomme, La trouvaille de Nan-
terre, RN 1946, 29 f.; R. A. G. Carson, The Coinage and Chronology of A.D. 238, in: H.
Ingholt (Hrsg.), Centennial Publication of the American Numismatic Society, New York
1958, 198.
6 Die genaue chronologische Fixierung der enggedrangten Ereignisse des Jahres 238 n. Chr.
ist im einzelnen vielfach umstritten; zum dies imperii Gordians III. vgl. Loriot, 720-722;
K.-H. Dietz, Senatus contra principem. Untersuchung zur senatorischen Opposition ge-
gen Kaiser Maximinus Thrax, Miinchen 1980, 345-347; D. Kienast, Romische Kaiser-
tabelle. Grundzuge einer romischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1990, 194.
7 Pink, 25 erklart das Fehlen einer Datierung auf den Miinzen der 1. Emission ansprechend
dadurch, da£ mit Gordian III. bereits zum dritten Mai in einem Jahr der Kaiser gewech-
selt hatte und schon je zwei datierte Serien fiir die beiden alteren Gordiane und die Kai-
ser Pupienus und Balbinus ausgegeben worden waren.
8 Fiir die Haufigkeit der Antoniniane vgl. die bequeme Aufschlusselung der Funde von P.
Le Gentilhomme, RN 1946, Tabelle nach S. 30; fiir die Sesterzen vgl. R. Turcan, Le tresor
de Guelma, Paris 1963, 108 f.
9 Die Numerierung dient in erster Linie der eindeutigen Bezeichnung der Emission; wie
hier P. Le Gentilhomme, RN 1946, 29. Abweichend die Zahlung bei Gobi II, 278, Tf.
174, der die hier in Rede stehende Emission als zweite zahlt und damit offenbar die
Miinzen mit VOTIS DECENNALIBVS (RIC 14, 263a) als erste Emission auffaftt; zu
den Votamiinzen s. u. II.
Die erste Emission Gordians III.
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In der 1. Emission sind Aurei, Antoniniane, Sesterze und Asse10 fur alle
Offizinen bekannt, wahrend Denare, Quinare und Dupondien bislang
nicht durchgehend belegt sind. Voetters 1893 ausgesprochene Erwartung,
dafi sich die seinerzeit noch vorhandenen Xiicken' im Pragesystem bald
fiillen werden,11 hat sich insoweit nicht erfullt.
Quinare sind nur fur den Victoriatyp bekannt geworden.12 Denare der
1. Emission fehlen dagegen im RIC und ebenfalls in den seit dem Er-
scheinen des betreffenden RIC-Bandes publizierten grofieren Sammlun-
gen.13 Insgesamt konnen hier sieben Exemplare vorgelegt werden.
1. Vs.: IMP C M ANT GORDIANVS AVG
Drapierte und gepanzerte Biiste des Kaisers n. r.
Rs.: IOVI CONSERVATORI
Jupiter mit Zepter und Blitz n. 1. stehend; links zu seinen Fiifien der Kai-
ser stehend.
a. 2,91 g; 6 h. Ehemals Sammlung Erich Roth. Abgufi in der Gipssamm-
lung der Universitat Diisseldorf, Historisches Seminar, Abteilung Alte
Geschichte, Inv.-Nr. 4223 (Tf. I 1 a) - Numismatik Lanz (Miinchen),
Auktion 40 (1987), Nr. 770.
b. 2,54 g; 12 h. Ehemals Sammlung Erich Roth. Abgufi Diisseldorf, Inv.-
Nr. 4224 (Tf. lib).
c. B. A. Seaby (London), Coin and Medal Bulletin Mai 1964, Nr. B360.14
2. Vs.: IMP C M ANT GORDIANVS AVG
Drapierte und gepanzerte Buste des Kaisers n. r.
Rs.: PAXAVGVSTI
Pax mit Zepter und Zweig n. 1. stehend.
10 Vom Typ des Jupiter Conservators befindet sich ein schwerer As im Britischen Museum
(RIC 225 Anm.) und ein weiterer in Wien (17,0 g) (freundliche Mitteilung von G.
Dembski).
11 Voetter, 396.
12 RIC 13 (Tf. 1.5 = London) mit aus Platzgriinden ebenso wie bei den Denaren verkiirzter
Vorderseitenlegende („C" statt „CAES"); weitere Exemplare in Miinchen und Oxford.
13 J.-M. Doyen, Musees de Charleville-Mezieres. Catalogue des monnaies antiques de Per-
tinax a la reforme monetaire de Diocletien (193-294), 1985; P. R. Franke und I. Paar,
Die antiken Miinzen der Sammlung Heynen, Koln 1976; HCC, Bd. 3 (1977), wo in der
Ubersicht S. lxxxiii der Denar der ANS (hier Nr. 2a) erwahnt wird; G. Mazzini, Monete
imperiali romane, Bd. 3, Mailand 1957; R. Postel, Katalog der antiken Miinzen in der
Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1976; Thesaurus nummorum Romanorum et Byzanti-
norum (TNRB): Bd. 1-8, Wien 1975-1992.
14 Das Stuck ist nicht abgebildet, kann aber wegen seiner schlechten Erhaltung mit la-b
nicht identisch sein; den Hinweis auf diese Miinze verdanke ich C. Clay.
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Axel Jiir ging
a. 2,99 g; 12 h. American Numismatic Society (Acc.-Nr. 1935.117.211) =
S. Mosser, The Endicott Gift of Greek and Roman Coins including the
^Catacombs" Hoard, NNM 97, New York 1941, Nr. 158 (Tf. I 2 a).
b. 2,75 g. British Museum (Inv.-Nr. 1992-5-9-191), ex Sammlung C. Clay
= P. N. Schulten (Koln), Auktion vom 8.11.1982, Nr. 857 (Tf. I 2 b).
3. Vs.: IMP C M ANT GORDIANVS AVG
Drapierte und gepanzerte Biiste des Kaisers n. r.
Rs.: VICTORIA AVG
Victoria mit Kranz und Palmzweig n. 1. schreitend.
a. 2,37 g. British Museum (Inv.-Nr. 1990-12-28-1) (Tf. I 3 a).
b. ? g. Gobi, Tf. 174.3650 - K. Krefi (Miinchen), Auktion 122 (1962), Nr.
1305.
Die Ruckseitenstempel von 1 a und 1 b sind identisch. Nr. 2 a und 2 b
sind beidseitig stempelgleich. Der Vorderseitenstempel von Nr. 2 a-b ist
iiberdies identisch mit Nr. 1 b. Dagegen lafk der schlechte Erhaltungszu-
stand des Denars Nr. 3 b einen sicheren Stempelvergleich vom Foto aus
nicht zu.
Bei den Dupondien fehlten Pink und Mattingly Belege fur die drei Ty-
pen des Jupiter Conservator, der Providentia und fur VIRTVS AVG
(mit dem Bild des eilenden Kaisers). Soweit ich sehe, hat sich unsere Ma-
terialkenntnis in diesem Punkt seitdem nicht erweitert.15 Hier konnen
zwei Exemplare fur einen dieser Typen vorgelegt werden:
4. Vs.: IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG
Drapierte und gepanzerte Biiste des Kaisers mit Strahlenkrone n. r.
Rs.: VIRTVS AVG / S - C
Der lorbeerbekranzte Kaiser mit Speer und Schild n. r. eilend.
a. 10,28 g; 12 h. Sammlung G. His (USA) = Calico (Barcelona), Auktion
vom 23.10.1984, Nr. 442.
15 Durchgesehen wurden die in den letzten Jahren publizierten Sammlungskataloge (s. o.
Fn. 13) sowie: Die Fundmiinzen der romischen Kaiserzeit in Deutschland, Berlin 1960
ff. (FMRD): Abt. I: Bd. 1-7; Abt. II: Bd. 1-4, 1-N 1, 2-N 1; Abt. Ill; Abt. IV: Bd. 1-3/-
1, 5; Abt. V: Bd. 2/1-2; Abt. VI: Bd. 1/1, 4-6; Abt. VII: Bd. 1-9. R. Weiller, Monnaies
antiques decouvertes au Grand-Duche de Luxembourg - Die Fundmiinzen der romi-
schen Zeit im Grofiherzogtum Luxemburg (FMRL), Bd. [l]-4, Berlin 1972-1990. Die
Fundmiinzen der romischen Zeit in Osterreich (FMRO): Abt. I Bd. 2: Burgenland, Wien
1984; Abt. II Bd. 3: Karnten, Wien 1989; Abt. Ill Bd. 1: Carnuntum, Wien 1976. Auch
in den Kabinetten in Berlin, Bonn, Leiden, London, Miinchen, New York (ANS), Ox-
ford, Paris, Wien und der Sammlung der Universitat Diisseldorf fanden sich keine Du-
pondien fur die „fehlenden" drei Typen. Nach freundlicher Mitteilung von W. Szaivert
enthalt auch die Numismatische Zentralkartei des Instituts fur Numismatik der Univer-
sitat Wien keinen entsprechenden Nachweis.
Die erste Emission Gordians III.
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b. 8,74 g; 12 h. Sammlung des Verfassers = H.-W. Miiller (Solingen), Auk-
tion 62 (1989), Nr. 1139 = Schulten (Koln), Auktion vom 11.4.1988, ex
Nr. 681 = Miinz Zentrum (Koln), Auktion 54 (1985), Nr. 889 (Tf I 4
b).
Die beiden Miinzen sind wohl beidseitig stempelgleich.
Es ergibt sich damit fiir die 1. Emission folgendes Bild:
Tabelle 1: 1. Emission Gordians III. (x = Beleg vorhanden)
Au Ant Den Q Sest Dup As
FIDES MILITVM X X X X X
IOVI CONSERVATORI X X X X X
PAX AVGVSTI X X X X X X
PROVIDENTIA AVG X X X X
VICTORIA AVG (n. 1.) X X X X X X X
VIRTVSAVG{^irtus s,te)enH I (Kaiser laufend) X X
X X X
II.
Bevor auf die Frage der Verteilung der Nominale auf die einzelnen Ty-
pen der Emission naher eingegangen werden kann, erscheint es angezeigt,
den Typenschatz der Emission genauer zu uberpriifen. Auf den ersten
Blick fallt ins Auge, dafi fiir die Offizin mit der Riickseitenlegende
VIRTVS AVG im Gegensatz zu den anderen Offizinen zwei Riickseiten-
bilder Verwendung finden. Auf den Edelmetallmiinzen mit dieser Legen-
de ist eine linkshin stehende Virtus mit Speer und Schild dargestellt, die
mit einem kurzen Chiton bekleidet ist, der eine Brust frei lafit16 (Tf. I 7).
Auf den Aesmiinzen hingegen findet sich das Bild des nach rechts eilen-
den Kaisers, der Speer und Schild halt (Tf. I 4 b - 6). Die Wiener Schule
hat daher hier einen auf eine einzige Offizin beschrankten Typenwechsel
vom Edelmetall zum Aes angenommen.17 H. Mattingly dagegen schwank-
te und ordnete den Typ des eilenden Kaisers einmal getrennt von dem
Typ der stehenden Virtus zusammen mit anderen schwer einzuordnenden
friihen Aesmiinzen und den Miinzen mit VOTIS DECENNALIBVS der
16 So die Beschreibung von K. Kraft, Die Taten des Kaisers Constans und Constantius II.,
JNG 9, 1958, 152 f. = ders., Gesammelte Aufsatze zur antiken Geldgeschichte und Nu-
mismatik, Bd. 1, hrsg. von H. Castritius und D. Kienast, Darmstadt 1978, 98 f. Unzu-
treffend dagegen Mattinglys und Robertsons Beschreibung des Chitons als „military
dress" (RIC 6, 12 und HCC 12).
17 Voetter, 396; Pink, 26; Gobi II, 278, Tf. 175; ders., ANRW II 1 (1974), 900.
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Axel Jiirging
1, Emission lediglich als supernumerary types" zu, katalogisierte ihn
dann aber als Teil der eigentlichen Emission getrennt von den additional
types".18
Fur die 1. Emission gesichert ist der Typ der stehenden Virtus dadurch,
dafi die 2. Emission mit PM TRP II COS PP diesen Typ im Edelmetall
ubernimmt (Tf. I 8).19 Das Kriterium der Typenubernahme von der 1. in
die 2. Emission ist dagegen im Aes fur den Typ des eilenden Kaisers nicht
von gleicher Beweiskraft wie fiir die Edelmetallpragung. Zwar sind auch
fur diesen Typ Sesterze mit der Ruckseitenlegende PM TRP II COS PP
bekannt20 (Tf. 110), doch sind die Aesmiinzen der 2. Emission im Gegen-
satz zu den Edelmetallmiinzen bislang nicht in ihren Typen gesichert,21 ja
es erscheint nicht einmal ohne weiteres zwingend, dafi parallel zu den
Edelmetallmiinzen der 2. Emission iiberhaupt Aesmiinzen von alien Offi-
zinen gepragt wurden.22 Die datierten Sesterze vom Typ des eilenden Kai-
sers sind daher lediglich ein, wenn auch sehr beachtliches Indiz dafiir,
dafi dieser Typ an den Anfang der Regierungszeit Gordians III. gehort.
In Anbetracht der Tatsache, dafi fiir alle anderen Typen der 1. Emission
Aesmiinzen ausgebracht wurden, ware es von vornherein wenig wahr-
scheinlich, wenn auch nicht unmoglich, dafi lediglich eine einzige Offizin
ausschlielSlich Edelmetall pragte. Zumindest aber war Zeit genug, um in
alien Offizinen Aesmiinzen herstellen zu konnen, da die 1. Emission kei-
neswegs von kurzer Dauer war, sondern mindestens iiber ein gutes halbes
Jahr ausgepragt wurde (s. o.). Als Pendant zu den Edelmetallmiinzen mit
Virtus kame mit der Legende VIRTVS AVG allenfalls der Typ des nach
links stehenden gepanzerten Mars mit Speer, Schild und Zweig in Be-
tracht,23 doch existieren zu diesem auch Edelmetallmiinzen (Tf. 19), und
iiberdies ist dieser Typ wegen der Vorderseitenlegende fiir die 3. Emission
gesichert. Hinzu kommt, dafi die fraglichen Aesmiinzen mit dem Bild des
18 RIC IV/3 (1949), S. 4: supernumerary" Typ; S. 44, Nr. 259: der eigentlichen Emission
zugeordnet.
19 RIC 20 und 25. Auf dem hier abgebildeten Exemplar ist deutlich zu erkennen, dafi auch
in der 2. Emission kein gepanzerter Mars, sondern eine mit einem Chiton bekleidete
Virtus dargestellt ist.
20 RIC 266.
21 Vgl. die Unterschiede jeweils zwischen Voetter, 397; Pink, 26 und H. Mattingly, RIC
IV/3, S. 4f.
22 Auch sonst gehen unter Gordian III. einige Typen der Aesmiinzen ausnahmsweise nicht
parallel zum Edelmetall, z. B. RIC 260-265, 274, 294, 310-311, 318-319.
23 RIC 273 a-c. Die Panzerung ist deutlich zu erkennen bei RIC IV/3, Tf. 1.15 und fiir eine
spatere Ausgabe dieses Typs bei HCC III, Tf. 63.104 und sichert - entgegen ihrer Be-
nennung im RIC als Virtus - die Figur als Mars, vgl. K. Kraft, JNG 9, 1958, 152 f. =
ders., Gesammelte Aufsatze (s. o. Fn. 16), 98 f.; M. Weder, Seltene Miinzen der Samm-
lung Dattari - Neuerwerbungen des Britischen Museums, NZ 96, 1982, 62. Wie K. Kraft
bereits H. Cohen (C. 381: „la Valeur"; C. 382-392: Mars).
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Axel Jiirging
eilenden Kaisers auch keiner anderen Emission als eben der 1. Emission
zugeordnet werden konnen.
Anhaltspunkte kann eine quantitative Analyse der Aesmiinzen der 1.
Emission liefern. Eine solche Aufstellung fur Aesmiinzen ist allerdings im
Gegensatz zu den Antoninianen mangels einer ausreichenden Anzahl pu-
blizierter Funde mit Schwierigkeiten verbunden. Hier habe ich mich auf
die Auswertung des Fundes von Guelma und die Bestande einiger publi-
zierter Sammlungen gestiitzt.24 Die Aesmiinzen wurden ohne Riicksicht
auf ihr Nominal erfafit, die stets geringe Zahl der erfafiten Asse und Du-
pondien zusatzlich noch einmal in Klammern ausgeworfen.
Tabelle 2: Hdufigkeit der friihen Aesmiinzen Gordians III.
FIDES MILITVM (S, Dup, As) 42 (6)
IOVI CONSERVATOR! (S, As) 34 (3)
PAX AVGVSTI (S, Dup, As) 35 (4)
PROVIDENTIA AVG (S, As) 26 (2)
VICTORIA AVG (n. 1. laufend) (S, Dup, As) 32 (2)
VIRTVS AVG (Kaiser r. laufend) (S, Dup, As) 18(4)
VOTIS DECENNALIBVS ([Antoninian],25 S) 4
VICTORIA AVG (n. r. laufend) (S, Dup, As) 20 (5)
ABVNDANTIA AVG (S, Dup, As) 30 (9)
SALVS AVG stehend (S, Dup, As) 11 (0)
SALVS AVG sitzend (S, Dup, As) 7(3)
PM TRP II COS PP: - Roma sitzt 1. (S, Dup, As) 3(1)
- Victoria n. r. laufend (S, Dup, As) 0
- Kaiser eilt n. r. (S) 8
- Kaiser in Quadriga ([Ant.],26 S, As) 10(3)
Erfaftt wurde der Schatzfund von Guelma (s. o. Fn. 8), die in Fn. 13 aufgefuhrten Kata-
loge sowie zusatzlich folgende Sammlungen: M. v. Bahrfeldt, Sammlung rdmischer
Miinzen der Republik und des West-Kaiserreichs, Halle/S. 1922; O. Voetter, Collection
Ernst Prinz zu Windisch-Gratz, Bd. VI, Wien 1899; die Sammlung Trau nach dem Kata-
log der Auktion Gilhofer & Ranschburg, Wien - A. Hess, Luzern, vom 22.5.1935,
Nachdruck New York 1976; eine kiirzlich versteigerte Spezialsammlung von Miinzen
Gordians III. (Schulten [Koln], Auktion vom 11.4.1988, Nr. 672-1013) und Rollin &
Feuardent (Paris) Auktion 1886: Catalogue d'une collection de medailles romaines en
vente a l'amiable avec les prix fixes a chaque numero, Teil 3, S. 463-478 (die Kenntnis
und die Auswertung dieses Kataloges verdanke ich C. Clay).
RIC 14. In den Schatzfunden von Dorchester, Smederevo, Schwarzenacker, Reka-Devnia
und Nanterre (jeweils nach der Aufstellung von P. Le Gentilhomme, RN 1946, Tabelle
nach S. 30), Smyrna (S. Eddy, a. a. O. [s. o. Fn. 4]), Clamery (J.-B. Giard, TMon 2, 1980,
9-29) und Rocquencourt (D. Hollard und P. Gendre, TMon 8, 1986, 9-45) fand sich
kein Antoninian dieses Typs.
RIC 50B (vgl. RIG 173 [Antiochia]). In den oben in Fn. 25 angefiihrten Schatzfunden
fand sich kein Antoninian dieses Typs.
Die erste Emission Gordians III.
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Es zeigt sich, dafi die Haufigkeit der einzelnen Typen betrachtliche Un-
terschiede aufweist. Allerdings ist in keiner Weise gesichert, ja nicht ein-
mal wahrscheinlich, da£ von alien an einer Emission beteiligten Offizinen
exakt das gleiche Metallquantum ausgepragt wurde,27 so dafi es hier ledig-
lich darum gehen kann, Grofienordnungen zu ermitteln. Stark vertreten
sind neben den fiinf fur die 1. Emission gesicherten Typen der Typ des ei-
lenden Kaisers (VIRTVS AVG), der nach rechts schreitenden Victoria
und der Abundantia. Die Haufigkeit der Abundantia-Miinzen mag mit ei-
ner Sonderausgabe anlafilich Gordians zweiter Liberalitat zusammenhan-
gen, als Gegenstiick zum Typ der stehenden Virtus bietet sich dieser Typ
genauso wenig an wie der Typ der nach rechts laufenden Victoria. Zwar
fallt die Haufigkeit der Miinzen mit VIRTVS AVG gegeniiber den ande-
ren Typen der 1. Emission ab, doch ergeben sich auch innerhalb der fiinf
fur die 1. Emission gesicherten Typeii, besonders zwischen ,Fidesc und
,Providentiac, erhebliche quantitative Schwankungen. Insgesamt lafk sich
feststellen, dafi sich die Haufigkeit der VIRTVS-Miinzen von der der
Miinzen mit VOTIS DECENNALIBVS und der aller Typen mit der Le-
gende PM TRP II COS PP deutlich abhebt. Diese relative Haufigkeit der
VIRTVS-Miinzen zeigt, dafi es sich bei dem Typ des eilenden Kaisers
kaum urn einen „supernumerary type" auf gleicher Stufe wie die wesent-
lich selteneren Miinzen mit VOTIS DECENNALIBVS handeln kann.
Die stimmigste Losung scheint mir daher zu sein, in der 1. Emission ei-
nen Typenwechsel vom Edelmetall mit Virtus zum Aes mit dem Typ des
eilenden Kaiser anzunehmen. Letzte Klarheit konnte moglicherweise eine
Stempeluntersuchung bringen, die hier nicht beabsichtigt ist. Deutlich ge-
worden ist allerdings, dafi der Typ des eilenden Kaisers mit einem offen-
bar nicht unbedeutenden Pragevolumen in der ersten Regierungszeit des
Kaisers ausgebracht wurde.
Zur 1. Emission gehoren nach R. Gobi nicht nur die Miinzen mit der
nach links schreitenden Victoria, sondern ebenfalls die Aesmiinzen vom
Typ der nach rechts laufenden Victoria und der Legende VICTORIA
AVG.28 Bedauerlicherweise mufite R. Gobi darauf verzichten, diese Ab-
weichung von der Ordnung Pinks und Voetters im Rahmen seines Lehr-
buchs naher zu begriinden. Fur eine solche Einordnung spricht allerdings
neben dem offenbar nicht unbedeutenden Pragevolumen (s. Tabelle 2)
27 Gobi II, Fn. 635; R. Duncan-Jones, Money and Government in the Roman Empire,
Cambridge 1994, 142 f.
28 Gobi II, 278, Tf. 175.3662-3663; ders., Die Rekonstruktion antiker Pragesysteme und
ihre Bedeutung fur die historische Forschung, ANRW II 1 (1974), 898 (RIC 262 a-c).
Auch H. Mattingly, RIC IV/3, S. 4 ordnete diese Miinzen der 1. Emission zu, allerdings
zusammen mit Salus als Erganzungstyp.
104
Axel Jurgi ng
eine vom Verfasser beobachtete Stempelkopplung eines Sesterzes dieses
Typs mit Sesterzen vom Typ VOTIS DECENNALIBVS.29
R. Gobi zahlt die hier als 1. Emission bezeichnete Emission als die
zweite Gordians III. Dies beruht darauf, dafi nach K. Pink30 die sehr sel-
tenen Antoniniane und Sesterze mit der Legende VOTIS DECENNA-
LIBVS in einem Lorbeerkranz31 als 1. Emission angesetzt werden (Tf. I
9). Eine Bezugnahme auf die Kaisergeliibde fur das erste Dezennium er-
scheint fur den Regierungsanfang durchaus plausibel, doch bedeutet das
nicht zwangslaufig, dafi es sich bei den Votamiinzen auch um die allerer-
sten fiir Gordian III. als Augustus gepragten Miinzen handeln miifite.32
Ebenso denkbar ist, dafi der Votatyp von nur einer Offizin gepragt wur-
de, wahrend parallel in den anderen Offizinen sofort die Standardserie
mit FIDES MILITVM etc. einsetzte oder aber, dafi zunachst mit der
Pragung der Standardserie in alien Offizinen begonnen wurde und erst
kurz darauf eine Offizin den Votatyp einschob.33 Fiir die Feinabstim-
mung der Chronologie der Votamiinzen gibt auch der in Glasgow befind-
liche Sesterz dieses Typs mit der zweiten, 239 n. Chr. in der 4. Emission
verwendeten Vorderseitenlegende IMP CAES GORDIANVS PIVS
AVG34 keine Anhaltspunkte, da die Riickseite des Glasgower Unikums
offenbar nur aus einem anderen Typ modern umgeschnitten ist.35
29 Victoriatyp: Gobi, Tf. 175.3662 = K. Krefi (Miinchen), Auktion 165 (1976), Nr. 1156 (Tf.
11); Votatyp: Schulten (Koln), Auktion vom 11.4.1988, Nr. 675 (Abb.) = Miinz Zentrum
(Koln), Auktion 67 (1989), Nr. 500 (Abb.) (wohl beidseitig stempelgleich mit HCC 97
[Tf. 62]); der Vorderseitenstempel konnte bei der Victoriamiinze, soweit sich dies nach
den Abbildungen beurteilen lafit, in einem spateren Zustand als bei den Votamiinzen sein.
Allerdings spricht ein Dupondius dieses Typs mit der zweiten, erst in der vierten Emis-
sion verwendeten Vorderseitenlegende (RIC 285) wiederum gegen eine Fruhdatierung.
30 Pink, 26; dem folgt auch R. Delbrueck, Die Miinzbildnisse von Maximinus bis Carinus,
Das romische Herrscherbild III/2, Berlin 1940, 73.
31 RIC 14 und 263 a; ein von Cohen nach Vaillant aufgefuhrter As dieses Typs (C. 411 =
RIC 263 b) ist ungesichert, vgl. RIC 263 Anm. Der von Pink, 26 und R. Gobi, ANRW
II 1 (1974), 898 wohl wegen der zu Regierungsbeginn vorauszusetzenden Donative po-
stulierte Aureus dieses Typs hat sich meines Wissens bislang nicht gefunden. Diese Er-
ganzung besitzt einen eher spekulativen Charakter, jedenfalls lafk sich nicht sagen, da£
der Aureus „noch kommen wird, jedenfalls gepragt wurde" (R. Gobi, ebd.).
32 Soweit R. Gobi die Pragung dieses Typs zur Thronbesteigung als „absolut sicher" be-
zeichnet (ANRW II 1 [1974], 898), ist das nur dann zutreffend, wenn man hier keine
scharf abgegrenzte relative Chronologie postuliert, also keinen Zeitpunkt, sondern ei-
nen Zeitraum am Regierungsanfang meint.
33 Eine der beiden letzten Moglichkeiten schwebte wohl Voetter, 396 vor, der von einem
„eingeschobenenc< Typ sprach. H. Mattingly, RIC IV/3, S. 4 bezeichnete den Votatyp als
supernumerary type".
34 RIC -. HCC 100 (Tf. 63). H. Mattingly zahlt diese Emission im RIC als Emission 3 b.
35 Dies zeigen die bereits auf der Abbildung im HCC hinreichend deutlichen Merkmale
der sonderbar steifen Buchstaben der Riickseitenlegende und die fiir diesen Typ zu grob
geschnittenen Blatter des Lorbeerkranzes.
Die erste Emission Gordians III.
105
Wie vor Gordian III. bei Balbinus und Pupienus36 und nach ihm wieder
bei Philipp I.37 schliefien sich auch in der Munzpragung Gordians III. die
Votamiinzen nicht mit anderen Typen zusammen, sondern stehen isoliert
neben einer „Standardserie" von jeweils sechs Typen. Das beinah voll-
standige Fehlen der Antoniniane und Sesterze dieses Typs von Gordian
III. und Philipp I. bzw. der betreffenden Denare von Balbinus und Pu-
pienus in den grofien Schatzfunden38 zeigt, dafi es sich bei den Votamiin-
zen dieser Kaiser ebenfalls um jeweils nur kurze Zeit gepragte Sonderaus-
gaben handelt. Es erseheint mi thin ratsam, die Votamiinzen Gordians III.
als Erganzungstyp entweder einer schon in der Auspragung befindlichen
oder einer geplanten ersten grofien Emission anzusprechen.
III.
Nachdem die Typen der 1. Emission weitgehend geklart sind, konnen
wir nun zu der Frage der Verteilung der Nominale auf die einzelnen Ty-
pen kommen. Liicken gibt es hier fur den Denar, den Quinar und den
Dupondius.
Der Quinar ist bis heute nur fur den Victoriatyp bekannt geworden. R.
Gobi, der einen Denar dieses Typs publizierte, schlofi hieraus, dafi es den
Denar und den Quinar als ,Regularpragung£ nicht fur die anderen Typen
der Emission geben konne.39 Nach dem Auftauchen von Denaren fur
zwei weitere Typen fragt es sich jetzt allenfalls, ob nur jede zweite Offi-
zin40 Denare gepragt hat. Dies hatte R. Gobi fur die Dupondien ange-
nommen,41 bei denen er ,Regularpragungenc fur die drei damals noch un-
36 BMC 6-8 bzw. 15-17.
37 RIC 53A, 195 a-c. J.-B. Giard, Le tresor d'Allonnes (Sarthe), RN 1962, 221 Fn. 1 ver-
mutete, der Antoninian dieses Typs ware hybrid.
38 Fur Balbinus und Pupienus vgl. R. A. G. Carson, BMC VI, S. 101. Fur Gordian III. und
Philipp I. vgl. die Aufschliisselung der Antoninianfunde bei P. Le Gentilhomme, RN
1946, Tabellen nach S. 30 und S. 46, wo allerdings der Antoninian Philipps I. mit dem
Votatyp aus dem Fund von Dorchester (H. Mattingly, NC 1939, 25) versehentlich nicht
aufgefiihrt ist. Auch in dem Antoninianfund von Smyrna (S. Eddy, a. a. O. [s. o. Fn. 4])
und in dem Sesterzenfund von Guelma (R. Turcan, a. a. O. [s. o. Fn. 8]) finden sich keine
Votamiinzen aus der Zeit von 238-249 n. Chr.
39 Auf den Tafeln 174 f. bei Gobi bedeutet ein durchgestrichenes Feld nach der Erklarung
(Bd. 2, 278), dafi es entsprechende ,Regularpragungenc nicht geben konne; ders., ANRW
II 1 (1974), 898 kannte den Denar noch nicht.
40 Zur Anzahl der Offizinen unter Gordian III. siehe R. A. G. Carson, Coins of the Ro-
man Empire, London - New York 1990, 79; J.-B. Giard, Le tresor d'Allonnes (Sarthe),
RN 1962, 220; Gobi I, 80 und 166 mit Fn. 635.
41 Gobi II, 278, Tf. 175 und ausdriicklich ders., ANRW II 1 (1974), 900, wo allerdings in
der Pragetabelle (S. 898) der Dupondius mit VIRTVS AVG offenbar versehentlich im
Prageplan erganzt wurde.
106
Axel Jiirging
bekannten Typen des Jupiter, der Providentia und des eilenden Kaisers
ausschlofi. Doch auch hier stort nun ein vierter Beleg die Symmetric,
wenn man den Typ des eilenden Kaisers mit R. Gobi fest zu 1. Emission
zahlt. Natiirlich wollte und konnte R. Gobi im Rahmen seines Lehrbuchs
keine umfassende Analyse der friihen Miinzpragung Gordians III. liefern,
seine Ansatze sollen hier lediglich Ausgangspunkt fiir einige grundsatz-
liche Uberlegungen zur Rekonstruktion des Prageplans einer Emission
sein. Prazise gefafit lautet die sich ergebende Fragestellung, ob und unter
welchen Bedingungen Liicken in den fiir die Typen einer Emission be-
kannten Nominalen erganzt werden konnen.
Gelungen ist dabei eine ,Erganzungc immer erst dann, wenn ein ent-
sprechendes Belegstiick aufgetaucht ist. Das lalk sich bei der hier in Rede
stehenden Emission fiir das Gold demonstrieren. Cohen kannte noch kei-
nen Aureus fiir den Typ der Pax, den erst K. Pink nachweisen konnte.42
Fiir den einzigen dann noch fehlenden und von Pink allein aus dem Sy-
stem heraus erschlossenen Aureus mit VIRTVS AVG konnte schliefilich
H. Mattingly ein Exemplar vorlegen.43 Damit sind Aurei fiir alle Typen
der Emission belegt, die Erganzung Pinks hat sich bestatigt.
Anders als bei den Aurei sind Denare erst fiir drei Typen bekannt.
Prinzipiell ergeben sich damit drei Moglichkeiten:
1. Man ,erganzt' Denare fiir die drei fehlenden Typen, d. h. man postu-
liert, daf? alle Offizinen Denare gepragt haben.
2. Man erhebt die Liicke zum System und behauptet, es habe eben nur
jede zweite Offizin Denare gepragt, d. h. Denare fiir die drei nicht
belegten Typen der Fides, Providentia und der Virtus konne es nicht
bzw. nicht ,regularc geben.
3. Man setzt Fragezeichen im Prageplan und lalk die Frage of fen, ob
fiir die drei Typen Denare gepragt wurden oder nicht.
Wesentlich ist hierbei die Menge des fiir ein Nominal iiberlieferten Ma-
terials. Ist ein bestimmtes Nominal haufig, so lafit sich bei einer ,Liicke'
fiir einen bestimmten Typ zuverlassig eine Besonderheit der Prageorgani-
sation konstatieren. Wiirde beispielsweise in der 1. Emission fiir eine Of-
fizin der Antoninian nicht belegt sein, der sonst ausgesprochen haufig ist,
so miilke dies einen besonderen Grund gerade fiir diesen einen Typ bzw.
diese Offizin haben. Allerdings lafit sich dadurch nicht ausschliefien, dafi
mit diesem Typ fiir eine sehr kurze Zeit doch einige wenige Belegstiicke
ausgebracht worden sind. Auch fiir haufige Nominale konnen damit Liik-
42 Pink, 26 = RIC 9 (Wien).
43 RIC 12 nach Glendining (London), Auktion vom 3.12.1929 (Sammlung E. Nordheim),
Nr. 462 = Miinzen und Medaillen AG (Basel), Auktion 21 (1960), Nr. 74 = Gobi, Tf.
174.3652; hierzu auch R. Gobi, ANRW II 1 (1974), 900.
Die erste Emission Gordians III.
107
ken in der Nominalreihe grundsatzlich nicht die Annahme rechtfertigen,
es sei dieser Typ in diesem Nominal nie gepragt worden. Was sich in ei-
ner solchen Konstellation sicher sagen lafk, ist lediglich, dafi bei der an-
sonsten reichen Uberlieferung dieses Nominals eine Pragung fiir den feh-
lenden Typ in auch nur annahernd gleichem Umfang wie fiir die anderen
Typen der Emision ausgeschlossen ist.
Will man dagegen das System dadurch ausfeilen, dafi man die fehlenden
Nominale ,erganztc, so wird man mit der Zufalligkeit der Uberlieferung
argumentieren mixssen und sagen, dafi Denare fiir die fehlenden Typen
der 1. Emission zwar gepragt wurden und lediglich zufallig (noch) nicht
auf uns gekommen sind. Das kann man jedoch allenfalls dann sagen,
wenn sich zeigen lafk, daf? fiir ein bestimmtes Nominal generell sehr we-
nig Stiicke gepragt wurden. Dabei mul! unter Umstanden sogar ganz ge-
nau auf die zu untersuchende Emission abgestellt werden, wie das Bei-
spiel der hier untersuchten Emission zeigt.
Unter Maximinus I. fehlt der Antoninian ganzlich, im Silber wird aus-
schliefilich der Denar gepragt, dieser ist damit unter Maximinus entspre-
chend haufig. Der Ubergang fallt in die Regierungszeit des Balbinus und
des Pupienus, unter denen anfangs im Silber ausschliefilich Denare, dann
aber nur Antoniniane gepragt werden.44 Unter Gordian III. ist schon in
der 1. Emission der Antoninian das quantitativ dominierende Nominal,
wobei man sich den quantitativen Unterschied der Denar- gegeniiber der
Antoninianproduktion gar nicht kraft genug denken kann. Wahrend jetzt
insgesamt 7 Denare der 1. Emission bekannt sind, hat P. Le Gentilhom-
me in einer Analyse von Antoninianschatzfunden fast 1.200 Antoniniane
dieser Emission zusammengestellt,45 eine Zahl, die sich heute muhelos
noch erheblich vermehren liefie. Auch fiir die 2. Emission Gordians III.
ist nur ein Denar publiziert46 und in der 3. Emission seltene Denare vom
Typ der Liberalitas.47 Erst einige Jahre spater werden noch einmal zwei
quantitativ bedeutende Denaremissionen ausgebracht, die letzten der ro-
mischen Miinzgeschichte.48 Der Denar ist damit innerhalb weniger Jahre
zunachst in sehr grofiem, dann in ganz geringem und schliefilich kurzfri-
44 R. A. G. Carson, BMC VI, S. 101-103, bes. 104.
45 P. Le Gentilhomme, La trouvaille de Nanterre, RN 1946, Tabelle nach S. 30.
46 RIC -. HCC 5 (Virtus). Ein unpublizierter Denar der 2. Emission vom Typ der Provi-
dentia befindet sich im Britischen Museum (Inv.-Nr. 1975-3-3-1).
47 RIC 45.
48 RIC 81, 127, 129, 129A, 130, 131 und RIC 111-116; RIC 128 ist wohl eine Falschung,
vgl. K.J.J. Elks, The Denarii of Gordian III, NC 1972, 309 f. Unter Aurelian wurden
noch einmal Denare in einem nennenswerten Umfang gepragt (RIC 66 ff.), die allerdings
nicht mehr aus Silber, sondern nur noch aus Kupfer (mit Silbersud) bestehen.
108
Axel Jiirging
stig noch einmal in zumindest signifikantem Umfang ausgepragt worden.
Seinen Grund diirfte die praktische Einstellung der Denarproduktion ein
oder zwei Monate vor dem Regierungsbeginn Gordians III. in dem Ge-
wichtsverhaltnis des Denars zum Antoninian haben. Der nominell zwei
Denare geltende Antoninian wog zuletzt unter Balbinus und Pupienus
deutlich weniger als das Doppelte des Denars,49 der Edelmetallbedarf fur
Zahlungen der Staatskasse konnte also durch die Umstellung auf Zahlun-
gen in (neuen) Antoninianen wesentlich gesenkt werden. Anlafi hierfur
war der enorm gestiegene Finanzbedarf fiir die zahlreichen Donative im
Krisenjahr 238 n. Chr., der auch zu einer Reduzierung des Antoniniange-
wichts zwang.50
Auch die Stempelanalyse vermag einen Beitrag zu leisten. Hier deuten
die im Vergleich zu der Antoninianpragung relativ zahlreichen Stempel-
verbindungen unter den Denaren zusatzlich auf ein extrem geringes Pra-
gevolumen fiir dieses Nominal.
Festzuhalten ist, dafi unter Gordian III. in den Jahren 238/239 n. Chr.
der Denar ebenso wie der Quinar reines Sondernominal ist.51 Die Aus-
pragung von Denaren der 1. Emission ist fiir den Geldumlauf bedeu-
tungslos.52 Der von R. Gobi bekannt gemachte Denar fiir den Victoriatyp
ist damit so regular oder irregular wie fiir alle iibrigen Offizinen auch. Es
ist kein Grund erkennbar, wieso sich nicht auch Belegstiicke fiir die noch
fehlenden Typen finden werden. Das bedeutet allerdings nicht, dafi man
daraus den sicheren Schlufi auf die Pragung von Denaren in alien Offizi-
nen ziehen konnte. Vielmehr ist die Basis fiir das ,Erschliefienc eines Sy-
stems von Denaren der 1. Emission so schmal und damit so weitgehend
vom Zufall bestimmt, daE jede erganzende Rekonstruktion willkiirlich
ware. Es lafit sich lediglich festhalten, da£ es naheliegt, in dem Fehlen
von Denaren fiir drei Typen eine das urspriingliche Pragevolumen wider-
spiegelnde Liicke der Materialiiberlieferung zu sehen, so da£ ein Auftau-
chen von einzelnen Denaren fiir weitere Typen keine Uberraschung ware.
49 Vgl. die Angaben bei D. R. Walker, The Metrology of the Roman Silver Coinage, Bd. 3,
BAR Suppl. Series 40, Oxford 1978, 35.
50 Zu den Donativen HA Gord. 10,4 und Herod. 8,7,7; vgl. D. R. Walker, a. a. O., 136. Zu
der zur Finanzierung der Ausgaben parallel vorgenommenen Gewichts- und Feinge-
haltsreduzierung der Silbermunzen vgl. A. Wassink, Inflation and Financial Policy un-
der the Roman Empire to the Price Edict of 301 A.D., Historia 40, 1991, 482 f.
51 Zum Quinar als Festmiinze vgl. Gobi I, 77.
52 Hier ware von Interesse, ob das Silber der fruhen Denare Gordians III. von ebenso au-
Eergewohnlicher Feinheit ist, wie es die Untersuchung von D. R. Walker, a. a. O. (s. o.
Fn. 49), Nr. 4623 fiir den Quinar nahelegt: Quinar (RIC 13) mit 74%igem Silber gegen-
iiber ca. 48% fiir die Antoniniane der 1. Emission (Walker Nr. 4500-4521). Allerdings
kann der Silberanteil kleiner Nominale korrosionsbedingt hoher erscheinen als bei gro-
fieren Nominalen, die schwerer und damit im Schrotling dicker sind.
Die erste Emission Gordians III.
109
Kommen wir zu den Dupondien. Die Zugehorigkeit des Typs des eilen-
den Kaisers zur 1. Emission vorausgesetzt, kennen wir nunmehr Dupon-
dien von vier der sechs Offizinen der 1. Emission. Hatte man nach dem
bisherigen Kenntnisstand noch eine Regel vermuten konnen, nach der in
der 1. Emission jede zweite Offizin Dupondien nicht als ,Regularpragun-
genc ausgebracht hatte,53 so erscheint eine Beschrankung der Pragung von
Dupondien auf vier von sechs Offizinen unsystematisch. Schon K. Pink
hatte eine blofie Uberlieferungslucke angenommen und geglaubt, die sei-
nerzeit noch fiir drei Typen fehlenden Dupondien aus dem System heraus
erschliefien zu konnen.54
Fragt man entsprechend den oben dargelegten Grundsatzen nun nach
der Haufigkeit des Dupondius, stofit man auf die Schwierigkeit, dafi es
fiir das Aes aus dieser Zeit kaum publizierte Schatzfunde gibt und die
wenigen bekannten Schatzfunde mit grofieren Mengen an Aesmunzen
Gordians III. fast ausschliefilich Sesterzen enthalten.55 Die Kleinnominale
Dupondius und As werden so gut wie nicht thesauriert.56 Man mufi daher
notgedrungen auf eine ,emissionsscharfec Untersuchung verzichten, und
stattdessen die gesamte Regierungszeit des Kaisers untersuchen.
Das generelle Zuriickgehen der Aespragung im dritten Jahrhundert ist
ein bekanntes, in Zusammenhang mit der Verschlechterung des Silber-
geldes zu sehendes Phanomen,57 wobei es einem wohl allgemeinen Ein-
druck entspricht, dafi spatestens ab Septimius Severus der Sesterz im Ver-
gleich zu den geringwertigeren Nominalen Dupondius und As das men-
genmafiig mit Abstand haufigste bzw. das am wenigsten seltene Aesnomi-
53 Vgl. Gobi II, 278, Tf. 175.
541 Pink, 26.
55 Th. V. Buttrey Jr., A Hoard of Sestertii from Bordeaux and the Problem of Bronze Cir-
culation in the Third Century A.D., MN 18, 1972, 49-53; A. Kunisz, Remarques sur la
circulation monetaire sur les territoires europeens de l'Empire romain au cours de la
premiere moitie du Hie siecle, BSFN 45, 1990, 946. Vgl. den Fundiiberblick bei E. Erco-
lani Cocchi, L'evoluzione del sistema monetale nel III sec. d.C. e i gruzzoli dell'Emilia-
Romagna, RIN 90, 1988, 213-221; Funde aus der Zeit Gordians III. in Gallien bei X.
Loriot, Tresors de monnaies de Gordien III decouverts sur le territoire de l'ancienne
Gaule, BSFN 29, 1974, 682-687 und ders., Tresors de Gordien III decouverts en Gaule
(II), BSFN 30, 1975, 819-822.
56 J.-P. Callu, La politique monetaire des empereurs romains de 238 a 311, Paris 1969, 119
m. Fn. 3 und Th. V. Buttrey Jr., a. a. O., 53 f.
57 J.-N. Barrandon, C. Brenot, M. Christol und S. Melky, De la devaluation de l'antoninia-
nus a la disparition du sesterce: essai de modelisation d'un phenomene monetaire, Pact
5, 1981, 384; J.-P. Callu, Approches numismatiques de l'histoire du 3e siecle (238-311),
ANRW II 2 (1975), 599; M. Crawford, Finance, Coinage and Money from the Severans
to Constantine, ANRW II 2 (1975), 569.
110
Axel Jiirging
nal wird.58 Dagegen ist das quantitative Verhaltnis von As und Dupon-
dius zueinander im Rahmen des sich immer rapider fortsetzenden Verfalls
des Miinzsystems in der 1. Halfte des 3. Jahrhunderts bislang kaum un-
tersucht worden. Immerhin hat J.-P. Callu fufiend auf der Auswertung
von 320 Aesmiinzen Gordians III. einen Anteil der Sesterzen von 73%,
der Asse von immerhin noch 20%, des Dupondius aber nur von 6,3% er-
mittelt, ohne jedoch auf das quantitative Verhaltnis von Dupondien zu
Assen naher einzugehen.59 Untersucht man das Phanomen auf breiterer
Materialgrundlage, so ergibt sich folgendes Bild:
Tabelle 3: Hdufigkeit der Aesnominale unter Gordian III.
Sesterze Asse Dupondien Summe
publizierte Sammlungen60 FMRD, FMRL, FMRO61 Miinchen, Bonn63 625 (72%) 156 (72%) 198 (80%) 208 (24%) 56 (26%) 43 (17%) 40 (4,6%) 662 (2,8%) 6 (2,4%) 873 218 247
gesamt 979 (73%) 307 (23%) 52 (3,9%) 1.338
Auch an dem hier ausgewerteten Material hat der Sesterz einen Anteil
von fast 3/4, der As noch von gut 20%, der Dupondius aber ist mit unter
4% praktisch bedeutungslos.64 Dies wird besonders augenfallig, wenn
58 G. Elmer, Der romische Geldverkehr in Carnuntum, NZ 66, 1933, 57. Nach A. Burnett,
Coinage in the Roman World, London 1987, 58 werden Dupondien und Asse bereits un-
ter Commodus selten.
59 J.-P. Callu, a. a. O. (s. o. Fn. 56), 131, wobei nur die Miinzen mit SC einbezogen wur-
den; vgl. auch R. Gobi, ANRWII 1 (1974), 900.
60 Ausgewertet wurden die in Fn. 13 und 24 angefuhrten Kataloge (aufier dem Fund von
Guelma, der nur Sesterzen enthalt); die Angaben zu der Auktion Rollin & Feuardent
1886 verdanke ich dabei wiederum der Freundlichkeit von C. Clay. Bei der Sammlung
Trau mufite Lot 2692 mit 26 Mittelbronzen unberiicksichtigt bleiben, weil die Miinzen
nicht nach Dupondien und Assen aufgeschliisselt sind; um das Bild nicht zu verfalschen,
wurde auch Lot 2677 mit 41 nicht naher beschriebenen Sesterzen nicht mit einbezogen.
61 Ausgewertet wurden die in Fn. 15 aufgefiihrten Bande der FMRD, FMRL und FMRO.
62 FMRD Abt. I, Bd. 3-4, Nr. 3071, 559; Abt. I, Bd. 3-4, Nr. 3071, 610; Abt. I, Bd. 6, Nr.
6015, 170; Abt. VI, Bd. 1/1, Nr. 1010, 21/1, 261. FMRO Abt. II Bd. 3, Nr. A/272; Abt.
II Bd. 3, Nr. 3b/9 (1) 1042.
63 Die Bestande der Staatlichen Miinzsammlung in Miinchen und des Rheinischen Landes-
museums in Bonn sind fur Gordian III. wesentlich durch lokale Fundmiinzen bestimmt.
64 Nicht eingegangen werden kann hier auf die noch wenig geklarte Frage regionaler Un-
terschiede in der Versorgung mit frisch gepragten Aesmiinzen. Offenbar war jedoch im
3. Jahrhundert n. Chr. die Versorgung mit Aesmiinzen in den nordlichen Provinzen
deutlich schlechter als beispielsweise in Italien, vgl. dazu D. R. Walker, Roman Coins
from the Sacred Spring at Bath, in: B. Cunliffe (Hrsg.), The Temple of Sulis Minerva at
Bath, Bd. 2, 1988, 300 f.
Die erste Emission Gordians III.
Ill
man das Verhaltnis von As zu Dupondius betrachtet, das wie 6 : 1 ist. Da
fur die Sammlungen mit einer iiberproportionalen Haufigkeit der seltene-
ren Miinzen zu rechnen ist, wird die Haufigkeit des Asses im Vergleich
zum Dupondius in Wirklichkeit noch grower sein. Der Grund fur das
scharfe Abfallen des Dupondius gegeniiber dem As scheint mir darin zu
liegen, da£ das fiir den taglichen Zahlungsverkehr augenfalligste Unter-
scheidungskriterium zwischen beiden Nominalen, namlich die Metallfar-
be, im 3. Jahrhundert kaum noch taugte. Die Veranderung der Metallzu-
sammensetzung hat - soweit man das nach den zumeist lediglich fiir Se-
sterzen vorliegenden Untersuchungen sagen kann65 - dazu gefiihrt, dafi
der urspriinglich aus Messing gepragte, also gelbe Dupondius in der Far-
be rotlicher wurde und deswegen mit dem etwa gleich grofien und fast
gleich schweren kupfernen, also von Anfang an roten As leicht verwech-
selt werden konnte. Natiirlich konnten die Nominale iiber die Kopfbe-
deckung des Kaisers auf der Vorderseite (Strahlenkrone fiir den Dupon-
dius und Lorbeerkranz fiir den As bzw. bei Kaiserinnen fiir den Dupon-
dius der Halbmond unter der Biiste) weiterhin eindeutig unterschieden
werden. Aber durch einen schnellen Blick war dies eben nicht mehr mog-
lich, da jede Miinze die nicht mit der Vorderseite nach oben lag, erst um-
gedreht werden mufite, um feststellen zu konnen, ob sie ein As oder aber
das Doppelte wert war. Uber die Riickseitenbilder liefien sich die beiden
Nominale zwar unter Augustus unterscheiden, aber seit Nero wurden
Dupondien und Asse weitgehend mit identischen Typen gepragt.66 Im
dritten Jahrhundert war es daher nicht mehr sinnvoll, die beiden fast
farbgleich gewordenen Kleinnominale in grofierem Umfang parallel zu
Zu dem schwindenden Zinkanteil im ausgepragten Messing des 3. Jahrhunderts n. Chr.
s. E. R. Caley, Orichalcum and Related Ancient Alloys, NNM 151, New York 1964, 88
f.; J. Riederer, Metallanalysen romischer Sesterzen, JNG 24, 1974, 82, 84 f., 95.
Nach einer ersten Reformen der Aesmiinzen (vgl. den knappen Uberblick bei C. H. V.
Sutherland, RIC Bd. 1, 2. Aufl. 1984, 137 ff.) wird unter Nero die Strahlenkrone als Un-
terscheidungsmerkmal des Dupondius eingefuhrt. K. Hasler, Studien zu Wesen und
Wert des Geldes in der romischen Kaiserzeit von Augustus bis Severus Alexander, Bo-
chum 1980, 8-10 hat ein Absinken des Zinkanteils im Messing bereits ab Vespasian fest-
gestellt, doch kann seiner Schlufifolgerung nicht zugestimmt werden, da£ die Strahlen-
krone auf den Dupondien unter Nero deswegen eingefuhrt wurde, weil die Metallfarbe
bereits zu diesem Zeitpunkt als Unterscheidungsmerkmal nicht mehr zuverlassig genug
war. Zunachst ist die Anzahl der bislang vorliegenden Analyseergebnisse zu gering, um
bereits fiir diese friihe Zeit eine solche Aussage zuverlassig machen zu konnen. Vor al-
lem beriicksichtigt Hasler zu wenig, da£ die gelbe Metallfarbe nicht nur durch die Bei-
gabe von Zink, sondern auch anderer Metalle, insbesondere von Blei erreicht werden
kann.
112
Axel Jiirging
pragen.67 Bei den ohnehin nur in geringem Umfang ausgepragten Klein-
werten wurde daraufhin dem As gegeniiber dem Dupondius der Vorzug
gegeben, wohl weil sich Zahlungen so bis auf ein As genau leisten liefien,
das Mittelnominal also eher entbehrlich war.
Festzuhalten ist hier, dafi das im Vergleich zum As geringe Pragevolu-
men des Dupondius unter Gordian III.68 eine plausible Erklarung fiir das
Fehlen von Dupondien fur zwei Typen der 1. Emission darstellt, wahrend
der As schon seit Cohen, also seit uber 100 Jahren fiir alle Offizinen be-
kannt ist. Bezeichnenderweise waren es gerade zahlreiche Dupondien, die
K. Pink im Wiener Aufbau fiir Gordian III. nur vom System her „er-
schliefien", fiir die er aber keine Belegstiicke nachweisen konnte.69 Fiir
die Dupondien gilt daher das gleiche wie fiir die Denare: Das Auftauchen
einzelner Belegstiicke fiir die beiden bislang fehlenden Typen ware keine
Uberraschung, die neuen Miinzen wiirden sich in den Prageplan muhelos
einfugen.
Fassen wir unsere methodischen Uberlegungen zusammen: Schliisse ex
silentio sind zur Erganzung des Prageplans einer Emission grundsatzlich
nicht moglich. Die Liicken lassen sich vor allem nicht selbst zum System
erheben, denn es lafit sich prinzipiell nicht sagen, dafi fiir einen Typ ein
(ansonsten in der Emission vertretenes) Nominal nicht gepragt worden
sein kann. Auch der entgegengesetzte Schlufi, die ,Erganzungc eines No-
minals, das fiir einen Typ gepragt sein mufl, ist so nicht moglich. Was sich
allein sagen lafit, ist, dafi sich eventuell auftauchende, fiir einzelne Typen
bislang unbekannte Nominale problemlos in die vorgeschlagene Systema-
tik der Emission einfugen wiirden. Diese Unscharfen sind unvermeidlich.
Man mul! sich vor der Versuchung eines ,systemkonformenc Schematis-
mus hiiten, so verlockend das Abschleifen von Unstimmigkeiten oder der
Ausbau des Systems mittels postulierter Miinzen auch ist. Der Klarheit
67 Zu einem Zusammenhang der Miinzen mit RESTITVTOR MON(etae) und MON(eta)
RESTITVTA und der Pragung von Dupondien in Messing unter Severus Alexander vgl.
Pink, 13; R. Turcan, Pour une etude quantitative de la frappe du bronze sous le haut em-
pire, in: Congresso Internazionale di Numismatica, Roma 11-16 Settembre 1961, Bd. 2,
Rom 1965, 359 f. und R A. G. Carson, BMC VI, S. 70.
68 Anders scheint das Verhaltnis von Dupondius zu As noch bei Maximinus I. gewesen zu
sein. Nach Alrams Stiickevidenzen, die allerdings auf anderer Materialgrundlage erstellt
worden und deswegen mit den hier fiir Gordian III. vorgelegten Zahlen nicht direkt
vergleichbar sind, ergibt sich fiir die erste Regierungshalfte ein Verhaltnis von 74 Du-
pondien zu 124 Assen und fiir die zweite Regierungshalfte von 57 Dupondien zu 64 As-
sen (jeweils ohne Maximus), vgl. M. Alram, Die Miinzpragung des Kaisers Maximinus I.
Thrax (235/238), Moneta Imperii Romani Bd. 27 = OsterrAkadWiss, phil.-hist. Kl.,
Denkschriften Bd. 203, Wien 1989, S. 34 m. Fn. 101.
69 Pink, 26-28: 21 „fehlende£< Dupondien.
Die erste Emission Gordians III.
113
der Argumentation wird kein Dienst erwiesen, wenn sie mit Glaubenssat-
zen befrachtet wird, denn der rekonstruierte Prageplan ist keine moderne
Fiktion, sondern ergibt sich aus dem Material selbst. Dies gezeigt zu ha-
ben ist das grofie Verdienst der Wiener Schule. Dabei wirken sich aller-
dings Unsicherheiten der Materialuberlieferung zwangslaufig zu Unsi-
cherheiten hinsichtlich einzelner Details des gefundenen Systems aus, oh-
ne dieses grundsatzlich in Frage stellen zu konnen. Dem Wiener Aufbau
ist wegen seiner komprimierten Form und vielleicht auch, weil er einen
so immensen Fortschritt gegeniiber der alphabetischen (Un)ordnung Co-
hens darstellte, bisweilen eine zu starke Abneigung gegen - die in solchen
Fallen durchaus berechtigten und notwendigen - Fragezeichen eigen.70
IV.
Es bleibt abschliefiend zu untersuchen, ob ein und ggf. welches politi-
sche Programm in der Miinzpragung am Beginn der Regierungszeit Gor-
dians III. fafibar wird.
Terminus ante quern der hier untersuchten 1. Emission ist die datierte 2.
Emission mit TRP II COS.71 Auf die mit der Zahlung der tribunicia po-
testas unter Gordian III. verbundenen Schwierigkeiten kann an dieser
Stelle nicht im Detail eingegangen werden. Loriot hat gezeigt, dafi der
Vorschlag H. Mattinglys72 einer Zahlung der tribunizischen Gewalt a die
in diem beginnend mit ihrer erstmaligen Verleihung kurz nach dem Re-
gierungsantritt des Kaisers wohl nicht haltbar ist.73 Wahrscheinlich wech-
selte zumindest fur den Regierungsanfang Gordians III. die tribunicia po-
70 Als Pionierleistung ist dem Aufbau allerdings geradezu zwangslaufig ein gewisses provi-
sorisches Element eigen, das erst in dem von R. Gobi iniziierten Nachfolgeprojekt Mo-
neta Imperii Romani (MIR) abgelegt werden kann, vgl. hierzu R. Gobi, in: W. Szaivert,
Die Miinzpragung der Kaiser Marcus Aurelius, Lucius Verus und Commodus (161/192),
Moneta Imperii Romani Bd. 18 = OsterrAkadWiss, phil.-hist. Kl., Denkschriften Bd.
187, Wien 1986, 7-18.
71 Gegen Pink, 26 lafit sich nicht sagen, dafi die 1. Emission noch Anfang 239 n. Chr. wei-
ter gepragt wird. Natiirlich ist dies moglich, ebenso denkbar ist allerdings, daft die 2.
Emission mit PM TRP II COS bereits zum Jahresbeginn 239 einsetzt.
72 H. Mattingly, Tribunicia Potestas, JRS 20, 1930, 86 und ders., RIC IV/3, S. 2-3. Ebenso
jiingst noch R. A. G. Carson, Coins of the Roman Empire, London - New York 1990,
80, der damit seine fruher geaufterte abweichende Ansicht (The Coinage and Chronolo-
gy of A.D. 238, in: H. Ingholt [Hrsg.], Centennial Publication of the American Numis-
matic Society, New York 1958, 183-186, 198) stillschweigend aufgegeben zu haben
scheint.
73 X. Loriot, Consulat et consulat designe sur des monnaies de Gordien et de Philippe,
BSFN 25, 1970, 558-561; ders., Les acclamations imperiales dans la titulature de Severe
Alexandre et de Gordien III, ZPE 43, 1981, 229-235. Anders als H. Mattingly bereits
Pink, 24 f.; R. Turcan, a. a. O. (s. o. Fn. 8), 110 Fn. 2 und auch D. Kienast, Romische
Kaisertabelle. Grundziige einer romischen Kaiserchronologie, Darmstadt 1990, 194.
114
Axel Jiirging
testas jeweils zu einem festen Datum am Jahresende, traditionell dem 10.
Dezember.74 Bei einem Regierungsantritt des Kaisers im Mai oder Juni
238 n. Chr.75 bleibt damit fur die 1. Emission etwa ein halbes Jahr, und
noch in der iiber einen relativ kurzen Zeitraum ausgepragten 2. Emission
mit der zweiten tribunicia potestas76 werden ihre Bilder weiter verwendet.
Damit ist der zeitliche Rahmen fur die inhaltliche Analyse des Typenre-
pertoirs abgesteckt.
Im Jahr 238 n. Chr. waren bis zur Thronbesteigung Gordians III. im
Mai oder Juni bereits fiinf Augusti und ein Caesar eines gewaltsamen To-
des gestorben. Es liegt nahe anzunehmen, dafi die Miinzpragung als ein
Forum kaiserlicher Selbstdarstellung im Rahmen der Reichspropaganda77
Th. Mommsen, Romisches Staatsrecht, Bd. II/2, 3. Aufl., Leipzig 1887, Nachdruck Graz
1952, 799-801 fiir die Zeit nach Nerva, der allerdings gleichzeitig auf die Unsicherheiten
im 3. Jahrhundert hinwies; D. Kienast, a. a. O., 33.
Siehe oben Fn. 6.
Auf eine kurze Pragedauer fiir die 2. Emission deutet das relativ geringe Vorkommen
von Antoninianen dieser Emission in den grofien Schatzfunden hin. Die Antoninian-
schatzfunde von Dorchester, Smederevo, Schwarzenacker, Reka-Devnia und Nanterre
(jeweils nach der Aufstellung von P. Le Gentilhomme, RN 1946, Tabelle nach S. 30),
Smyrna (S. Eddy, a. a. O. [s. o. Fn. 4]), Clamery (J.-B. Giard, TMon 2, 1980, 9 ff.) und
Rocquencourt (D. Hollard und P. Gendre, TMon 8, 1986, 9 ff.) enthalten insgesamt
4.989 Antoniniane aus den ersten fiinf Emissionen Gordians III., die sich wie folgt ver-
teilen:
1. Emission: 1.463
2. Emission: 404
3. Emission (nach der Zahlung im RIC Emission 3a): 1.289
4. Emission (RIC: Emission 3b): 409
5. Emission (RIC: Emission 3c): 1.424
Wie der Wechsel von TRP II COS (RIC 68) zu TRP III COS (RIC 69) beim Bild des
opfernden Kaisers in der 5. Emission zeigt, umschliefit diese den Jahreswechsel 239/240
n. Chr., wobei die nach der 2. tribunizischen Gewalt datierten Munzen insgesamt etwa
3/4 der Munzen mit dem Bild des opfernden Kaisers ausmachen. Damit wurde bis Ende
239 n. Chr. neben der 2. Emission noch die umfangreiche 3., die 4. und ein grower Teil
der 5. Emission ausgebracht. Obwohl methodisch nicht ohne weiteres vom Pragevolu-
men auf die Pragedauer geschlossen werden kann, zeigt die quantitative Verteilung der
Emissionen im Jahre 239 n. Chr., da£ die Pragedauer der 2. Emission deutlich kurzer
war als die der 1. Emission.
Zu der in letzter Zeit wieder intensiv gefiihrten Diskussion iiber den Propagandawert
speziell der kaiserzeitlichen romischen Munzen, auf die hier nicht naher eingegangen
werden kann, vgl. J. Szidat, Zur Wirkung und Aufnahme der Miinzpropaganda Qui. Mi-
sop. 335d), MH 38, 1981, 22-33; M. Crawford, Roman Imperial Coin Types and the
Formation of Public Opinion, in: Studies in Numismatic Method Presented to Philip
Grierson, Cambridge 1983, 47-64; A. Wallace-Hadrill, Image and Authority in the Coi-
nage of Augustus, JRS 76, 1986, 66-87; K. Christ, Alte Geschichte und antike Numis-
matik, in: Studi per Laura Breglia, Bd. 1, Rom 1987, 39-48; W. E. Metcalf, Whose Libera-
litas ? Propaganda and Audience in the Early Roman Empire, RIN 45, 1993, 344-346.
Die erste Emission Gordians III.
115
auf diese Wirren reagierte. H. Mattingly glaubte, samtliche Typen der
1. Emission seien sehr sorgfaltig auf die besondere Krisensituation beim
Regierungsantritt des jungen Kaisers abgestimmt: „Even common types
acquire significance in selection and combination".78 Bei den Typen der
1. Emission handelt es sich in der Tat grolkenteils um „common types",
doch liegt gerade darin ein gewichtiger methodischer Einwand gegen
Mattinglys eigene Schlufifolgerung. Fides Militum (stehend mit Feldzei-
chen), Pax Augusti (stehend mit Zweig und Zepter), Providentia Augusti
(stehend mit Globus und Zepter) und auch Victoria Augusti (laufend mit
Kranz und Zweig) sind Standardtypen der Miinzpragung des dritten Jahr-
hunderts. Die Tatsache, dafi diese vier Typen mit nur unwesentlichen Ab-
weichungen im Miinzbild den Hauptteil der fast uber die gesamte Regie-
rungszeit des Maximinus I. Thrax gepragten Standardserien gebildet ha-
ben,79 zeigt deutlich, wie wenig spezifische Bedeutung diesen Typen zu-
kam, da sie andernfalls kaum fur Gordian III. hatten weiterverwendet
werden konnen. Die Typen der Fides, der Pax, der Providentia und der
Victoria sind damit schwerlich als Reaktion auf die besondere Krisensi-
tuation des Jahres 238 zu verstehen, sondern entsprechen lediglich den
allgemeinen Erwartungen an die Regentschaft eines neuen Kaisers bzw.
dem Topos der Ankiindigung kaiserlicher Taten auf Miinzen des 3. Jahr-
hunderts. Um so grofiere Bedeutung kommt damit allerdings den Abwei-
chungen von diesem Standardprogramm zu.
Jupiter ist in der romischen Miinzpragung nicht selten zu finden, doch
ist die Variante des Jupiter Conservator, der schiitzend seinen Mantel
liber den zu seinen Fufien stehenden Kaiser ausgebreitet halt (Tf. I 1 a-
b), keineswegs haufig.80 Auf Miinzen finden wir diese Darstellung unter
Trajan, Hadrian, Commodus, Septimius Severus, Macrinus und Severus
Alexander,81 nicht aber unter Maximinus I. und den anderen Kaisern des
78 RIC IV/3, S. 8; dem folgt der ansonsten wenig brauchbare Beitrag von G. Ray Thomp-
son, The Reign of Gordian III, SAN 1974/75, 67.
79 Fides (ein Feldzeichen in jeder Hand und deswegen ohne Zepter): Alram, MIR (s. o. Fn.
68) 9 und 21; Pax (Bild identisch): Alram, MIR 10 und 22; Providentia (mit Fullhorn, zu
Fiifkn Globus): Alram, MIR 11 und 23; Victoria (nach rechts): Alram, MIR 13 und 25.
Auch der funfte Typ der Standardserie des Maximinus, die sitzende Salus (Alram, MIR
12, 24 und 31), wird von Gordian III. 238/239 n. Chr. fur Aesmiinzen (RIC 261) ver-
wendet.
80 Zu Jupiter auf romischen Miinzen vgl. die niitzliche Ubersicht von Ph. V. Hill, Aspects
of Jupiter on Coins of the Rome Mint, A.D. 65-318, NC 1960, 113-128.
81 Trajan: BMC 493-497 etc. Hadrian: BMC S. 323.*. Commodus: BMC (M. A.) 1525,
BMC (Comm.) S. 759.*, 449, S. 775.f. Septimius Severus: BMC (S. S., Car. und Geta) 1,
2, 18, 25, 111 (jeweils zwei kleine Figuren zu Fiifien Jupiters). Macrinus: BMC 1 (Kaiser
knieend?), 18, 20, 102 f., 107, S. 512.*, S. 516.ar. Severus Alexander: BMC 688-696.
116
Axel Jiir ging
Jahres 238 n. Chr. Eines gottlichen Schutzes bedurfte der Kindkaiser
Gordian am Beginn seiner Regierung zweifellos in hohem Mafie. Es fragt
sich allerdings, ob in der Wahl des speziellen Jupitertyps der 1. Emission
dariiber hinaus nicht auch eine bewufite Anlehnung an Severus Alexander
und die Severerdynastie82 zu sehen ist. Zieht man in Betracht, dafi sich
fur Gordian III. weder eine Ankniipfung an die beiden in Nordafrika un-
glucklich gescheiterten alteren Gordiane noch an die Senatskaiser Balbi-
nus und Pupienus anbot, ist es naheliegend, dafi er bemiiht war, sich
stattdessen an Severus Alexander und die Severer allgemein anzulehnen.
Hierzu pafit, dafi die auf Betreiben des Maximinus I. Thrax iiber Severus
Alexander verhangte damnatio memoriae wohl unmittelbar nach dem
Sturz des Maximinus wieder aufgehoben und der Kaiser konsekriert wur-
de.83 Dafi die Standardtypen Fides Militum, Pax, Providentia, Victoria
und Virtus auch unter Severus Alexander in der Miinzpragung erschei-
nen,84 will jedoch in diesem Zusammenhang nicht viel besagen, gibt es sie
doch auch unter Maximinus I. Thrax. Die Miinzen bieten fur eine Anleh-
nung an die Severer daher bestenfalls Indizien.85
Unter den Typen der 1. Emission sticht die Darstellung des eilenden
Kaisers mit Schild und Speer hervor (Tf. I 4-6),SG die Anfang 239 n. Chr.
in der 2.(?) Emission wiederholt wird (Tf I 10). Aus der vorgordiani-
Auf Medaillons begegnet der Typ ebenfalls gelegentlich, so unter Hadrian (Gnecchi Tf.
145.3), Antoninus Pius (Gnecchi Tf. 45.1), Marc Aurel (Gnecchi Tf. 63.3 f.) und Lucius
Verus (Gnecchi Tf. 73.3, 74.6 f.). - Aus nachgordianischer Zeit kennen wir den Typ von
Aemilian (RIC 4, 14, 45 f.), Gallienus (Samtherrschaft) (RIC 143) und Postumus (RIC -;
R. Bland [Hrsg.], The Chalfont Hoard and Other Roman Coin Hoards, London 1992,
98 Nr. 206).
82 Zu Jupiter als Schutzgott des Septimius Severus s. J. R. Fears, Jupiter and Roman Impe-
rial Ideology, ANRWII 17/1 (1981), 115.
83 W. Enfilin, in: The Cambridge Ancient History, Bd. XII: The Imperial Crisis and Reco-
very A.D. 193-324, Cambridge 1939, Nachdruck 1965, 77; K.-H. Dietz, Senatus contra
principem. Untersuchung zur senatorischen Opposition gegen Kaiser Maximinus Thrax,
Miinchen 1980, 340. Zur Konsekration des Severus Alexander vgl. A. Lippold, Der Kai-
ser Maximinus Thrax und der romische Senat, in: Bonner Historia-Augusta-Colloquium
1966/1967, Antiquitas IV.4, Bonn 1968, 82 und J. Straub, Regeneratio Imperii (I), Darm-
stadt 1972, 180 m. Fn. 10. Der friiheste datierte Beleg fur die consecratio Alexanders ist
allerdings erst eine Inschrift aus dem Jahr 246 n. Chr. (Dessau 9221).
84 Vgl. die Emissionsubersichten bei R. A. G. Carson, BMC VI, S. 43-45.
85 Eine Anlehnung der Munztypen des Gordian III. an die des Severus Alexander stellte
M. Bieber, Three Coins of Gordian III, in: L. Bonfante u. a. (Hrsg.), In Memoriam Otto
J. Brendel. Essays in Archaeology and the Humanities, Mainz 1976, 181 fest, ohne dies
allerdings naher auszufuhren.
86 R. Gobi, Die Rekonstruktion antiker Pragesysteme und ihre Bedeutung fur die histori-
sche Forschung, ANRW II 1 (1974), 900 hat daraus, da£ fur VIRTVS AVG zwei Bilder
Verwendung finden, auf ein besonderes propagandistisches Gewicht dieser beiden Typen
geschlossen.
Die erste Emission Gordians III.
117
118
Axel Jiirging
schen Reichspragung kennen wir keine entsprechenden Darstellungen ei-
nes Kaisers.87 Erst von Gallienus sind Antoniniane mit VIRT GALLIE-
NI AVG bekannt, die den lorbeerbekranzten Kaiser mit Speer und Schild
nach rechts sturmend darstellen, mit dem Unterschied jedoch, dafi auf
den gallienischen Miinzen der Kaiser einen am Boden liegenden Feind
niedertritt.88 Der gallienische Typ wird von Postumus mit der Legende
VIRTVS AVG aufgegriffen89 und bei Florian90 und Probus91 mit der Le-
gende VIRTVS AVGVSTI wiederholt.
Bezeichnenderweise hat der Typ des eilenden Kaisers zu Mifiverstand-
nissen Anlafi gegeben. P. Bastien beschrieb die rennende Figur auf den
Miinzen des Postumus, des Florian und des Probus nicht als Kaiser, son-
dern als Mars.92 Mars tragt aber auch auf den Sesterzen des Postumus ei-
nen Helm,93 so dafi der unbehelmte Mann auf den fraglichen Stucken nur
der Kaiser selbst sein kann.94 Eine Verwechslung von Mars und Kaiser ist
87 Vgl. aber fur Augustus den Denar RIC2 251 (Kaiser linkshin stehend, Legende:
CAESAR DIVI F), zu diesem Typ P. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, 2.
Aufl., Miinchen 1990, 61-63, 338; sowie fur Severus Alexander Miinzen mit der Legende
VIRTVS AVG(usti) und dem Bild des linkshin stehenden Kaisers mit Lanze und Glo-
bus (BMC 647-652, vgl. 617). Eine entfernt ahnliche Darstellung findet sich auch auf ei-
nem Medaillon des Severus Alexander (Gnecchi Tf. 100.6), auf das ich an anderer Stelle
zuruckkommen werde.
88 Aus der Miinzstatte Koln: G. Elmer, Die Munzpragung der gallischen Kaiser in Koln,
Trier und Mailand, BJ 146, 1941, S. 1-106, Nr. 82, 87 (Tf. 2.6) und 92. Aus Mailand:
RIC 177.530; E. Besly und R. Bland, The Cunetio Treasure, London 1983, Nr. 754-755
(Tf. 7). Zu diesem Typ vgl. Elmer, a. a. O., S. 16.
89 Sesterze: Elmer, a. a. O., Nr. 297; P. Bastien, Le monnayage de bronze de Postume, Wet-
teren 1967, Tf. 1.4 a-b, 1.8, 38.206, 38.210 a + c, 66.210 b, 39.216 a-b, 41.235. Antoninia-
ne: Elmer, a. a. O., Nr. 291. Es ist ein vereinzelter Antoninian bekannt, auf dem der lie-
gende Feind weggelassen ist, dessen Typ also am genauesten dem hier in Rede stehenden
gordianischen entspricht: R. Bland (Hrsg.), The Chalfont Hoard (s. o. Fn. 81), 99 Nr.
217 (Tf. 8).
90 RIC 16. S. Estiot, Ripostiglio della Venera. Nuovo catalogo illustrato, Bd. II/2, Verona
1987, Nr. 2652-2656 (Tf. 24); P. Bastien, Le monnayage de l'atelier de Lyon. De la
reouverture de l'atelier par Aurelien a la mort de Carus (fin 274 - midi 285), Wetteren
1976, Nr. 145 (Tf. 16) und 150 (Tf. 17).
91 P. Bastien, Lyon (s. o. Fn. 90), Nr. 155 (Tf. 18). Die Miinzen des Numerian mit PACA-
TOR ORBIS (RIC 193.390; P. Bastien, Lyon Nr. 618 [Tf. 62]) haben dagegen nicht den
eilenden Kaiser, der einen Feind niedertritt, sondern zeigen den Kaiser, wie er einen
Feind niedersticht. Vgl. ferner fur Crispus RIC 244.113, 308.88.
92 P. Bastien, Postume (s. o. Fn. 89), Nr. 4 etc.; ders., Lyon (s. o. Fn. 90) Nr. 145, 150, 155.
93 So zutreffend P. Bastien, Postume (s. o. Fn. 89), Nr. 178 a-b (Tf. 35) und 204 (Tf. 37) fur
einen behelmten nackten Mars mit Tropaion; dagegen stellen Nr. 9 (Tf. 1), 52 a (Tf. 6)
etc. nicht Mars, sondern die mit einem Chiton bekleidete Virtus dar. Zutreffend die Be-
schreibung von C.-F. Zschucke, Die romische Miinzstatte Koln, Trier 1993, 111.16-17.
94 Andeutungsweise ist bei P. Bastien, Postume (s. o. Fn. 89), Tf. 1.4 a, 38.210 a, 38.210 c,
66.210 b, 39.216 a zu erkennen, daE der Kaiser einen Lorbeerkranz tragt. Ebenso bei
Die erste Emission Gordians III.
119
allerdings naheliegend, wird doch Mars ebenfalls mit Lanze und Schild
nach rechts eilend dargestellt. Von Severus Alexander kennen wir Miinzen
mit diesem Bild und der Legende MARS VLTOR (Tf. II12-13) ^ Ferner
haben wir diesen Typ als Mars ,Propugnatorc von Herennius Etruscus,96
Hostilian,97 Trebonianus Gallus und Volusian,98 als Mars ,Ultorc dagegen
wieder von Tacitus, Probus, Carinus und Carausius." Auch fur Gordian
III. selbst werden gegen Ende seiner Regierungszeit Miinzen mit einem
entsprechenden, z. T. ausdrucklich als Propugnator bezeichneten Mars ge-
pragt, der allerdings eine etwas andere Beinstellung hat100 (Tf. II 14-15).
Mars erscheint unter Gordian III. noch einige Male, wenn auch mit ande-
rem Bild: Aus Antiochia ist ein zu den hier in Rede stehenden Miinzen
der 1.-2. Emission etwa zeitgleicher Mars bekannt (Tf. II 16)m und
schliefilich spater ein Mars im Habitus des Mars Pacifer102 (Tf II17).
Die Beispiele zeigen, dafi Gordian III. in seiner 1. Emission in einer
Weise dargestellt ist, die auf Miinzen sonst Mars vorbehalten ist. Die Le-
gende VIRTVS AVG(usti), die ebenso auch fur Mars moglich ist,103 gibt
keinen direkten Hinweis auf die Person des Dargestellten. Eine Ver-
Florian (Bastien, Lyon [s. o. Fn. 90], Tf. 17.150 a-b + f) und Probus (Bastien, Lyon, Tf.
18.155 a). Bis in Details wie die Barttracht ist der schreitende Mann auf dem von R.
Bland (The Chalfont Hoard [s. o. Fn. 81], 99 Nr. 217 [Tf. 8]) publizierten Antoninian
deutlich als Postumus gekennzeichnet.
95 BMC 833, 843 f., 847, 853 (Tf. 28 f.). Der Denar mit MARS PROPVG (RIC 244) be-
darf noch eines sicheren Belegs, vgl. BMC VI, S. 198 Anm. zu Nr. 833.
96 Als Caesar: RIC 139-141, HCC 3 (Tf. 79.H 3); RIC 150A (H. E. als Augustus) ist zwei-
felhaft und jedenfalls hybrid.
97 Als Caesar: RIC 175-177 (Tf. 11.19), HCC 3 (Tf. 81.3); als Augustus: RIC 187.
98 RIC 84 (Trebonianus Gallus) bzw. 219 (Volusian) und W. E. Metcalf, The Antioch
Hoard of Antoniniani and the Eastern Coinage of Trebonianus Gallus and Volusian,
MN 22, 1977, 73 f. und 77 (Tf. 10-13, 16.57); die Beinstellung ist hier eher ein Schreiten
als ein Laufen. Vgl. aus spaterer Zeit etwa Folles des Constantin I. mit MARTI PATRI
PROPVGNATORI: RIC VI 212.730 etc.
99 Tacitus: RIC 108 (Tf. 9.145). Probus: RIC 148. Carinus: RIC 163 (Tf. 10.11) (als Cae-
sar). Carausius: RIC 89. Vgl. ferner fur Constantin I. RIC VI 132.109. Unter Postumus
erscheint der gleiche Mars bespielsweise mit der Legende VIRTVS AEQVIT bzw.
EQVIT, RIC 385-388.
100 Legende im Nominativ: RIC 145 (Tf. 3.4), 146, 332; Legende im Akkusativ: RIC 147,
162, 333; vgl. RIC 167A, 207, 339.
101 RIC 28; die Miinze ist entgegen der Zuweisung im RIC nicht aus Rom, sondern aus
Antiochia, wie der Stil und die grofie Seltenheit des Typs zeigen. Vgl. ferner RIC 29,
der aber vielleicht blofi hybrid ist und den Mattingly lediglich nach A. de Belfort, Re-
cherche des monnaies imperiales romaines non decrites dans l'ouvrage de H. Cohen,
Annuaire de la Societe Francaise de Numismatique 10, 1886, 162 f. (angeblich aus einer
Sammlung S. Chamans) zitierte.
102 RIC 39, 44, 273 (Rom), vgl. oben Fn. 23; RIC 212 (Antiochia); vgl. RIC 205.
103 So auf den oben erwahnten Miinzen der 3. Emission Gordians III., s. o. Fn. 23.
120
Axel Jiirging
wechslung des Kaisers mit Mars ist hier allerdings dadurch ausgeschlos-
sen, da£ der Kaiser einen Lorbeerkranz tragt (deutlich etwa bei den Tf. I
5-6, 10 abgebildeten Stiicken). Einzig durch seine - freilich oft verriebene
und deswegen bislang iibersehene104 - Kopfbedeckung ist der Kaiser ein-
deutig als solcher gekennzeichnet.
Die Herausstellung der virtus des Kaisers ist im 3. Jahrhundert ein be-
sonderes Anliegen der Miinzpragung. Der Kaiser als der Garant des Rei-
ches105 bedurfte in einem besonders hohen Mafie militariseher und staats-
politischer Tiichtigkeit, - Eigensehaften, die dem Begriff der virtus zuge-
ordnet sind.106 Die nicht enden wollenden Abwehrkampfe an den Gren-
zen, die zahlreichen Biirgerkriege und nicht zuletzt die entscheidende
Rolle des Heeres als „Kaisermacher" im dritten Jahrhundert geboten auch
in der Miinzpragung eine immer nachdrucklichere Betonung der soldati-
schen Tugenden des Kaisers. In sehr direkter Weise wird dies in spaterer
Zeit beispielsweise durch Vorderseitenlegenden wie VIRTVS POSTVMI
AVG, VIRTVS PROBI AVG, VIRTVS CARI AVG etc. geleistet, die
zumeist mit einer gepanzerten, behelmten und einen Speer und einen
Schild haltenden Halbbiiste des Kaisers kombiniert sind.107 Fur Gordian
III. dagegen wurde ein anderer Weg gewahlt. Er ist in seiner ersten
Mimzemission in einem Habitus dargestellt, der auf Miinzen sonst Mars
und zwar speziell dem vor wildem Kriegsmut vorwartsstiirmenden Mars
Ultor und Mars Propugnator vorbehalten ist. Durch die buchstablich
martialische Darstellung als Imperator Propugnator wird die im Edel-
metall durch die Darstellung der Virtus mit der Legende VIRTVS
AVG(usti) betonte Tapferkeit und Tiichtigkeit des Kaisers108 auf den
Aesmiinzen noch weiter und deutlicher in die Nahe einer ubermensch-
lichen, gottlichen Sphare geriickt.
104 Der unzutreffenden Beschreibung H. Cohens (C. 393 f.) folgend beschreibt auch H.
Mattingly (RIC 259 a-b) den Kaiser ausdriicklich als barhauptig.
105 pur jas jem Kaiser zugeschriebene Heilscharisma vgl. F. Hartmann, Herrscherwechsel
und Reichskrise, Frankfurt a. M. - Bern 1982, 157 f.
106 W. Eisenhut, RE Suppl. XIV (1974), Sp. 900, s. v. Virtus; ders., Virtus Romana. Ihre
Stellung im romischen Wertsystem, Miinchen 1973, 219; P. Charlesworth, The Virtues
of a Roman Emperor, Procceedings of the British Academy 23, 1937, 105 ff., zit. nach
der deutschen Ubersetzung in: H. Kloft (Hrsg.), Ideologic und Herrschaft in der Anti-
ke, Darmstadt 1979, 361 ff., 368.
107 Postumus: Elmer, a. a. O. (s. o. Fn. 88), Nr. 210 etc.; Probus: RIC 18 etc.; Cams: RIC
11 etc. Zu den Schildbiisten vgl. P. Bastien, Le bust monetaire des empereurs romains,
Bd. 2, Wetteren 1993, 461 ff.; R. Delbrueck, a. a. O. (s. o. Fn. 30), 25 f.; ferner A. Alfol-
di, Insignien und Tracht der romischen Kaiser, MDAI(R) 50, 1935, 93 = ders., Die mo-
narchische Representation im romischen Kaiserreiche, 3. Aufl., Darmstadt 1980, 211.
108 M. Bieber, Honos and Virtus, AJA 49, 1945, 27, 30 bezog jede Virtus darstellung auf die
virtus des Kaisers; anders, jedoch nicht iiberzeugend, W. Eisenhut, RE Suppl. XIV
(1974), Sp. 909 s. v. Virtus.
Die erste Emission Gordians III.
121
In diesem Zusammenhang verdient die Tatsache Beachtung, dafi unter
Gordian III. einige Jahre spater noch ein zweites Mai die virtus des Kai-
sers durch die Einfiihrung eines ebenfalls neuen Typs109 besonders betont
wurde, namlich durch das Bild des stehenden Hercules mit der Legende
VIRTVS AVG(usti).110 Die virtus des Kaisers wird dieses Mai also nicht
mit der des Mars, sondern mit der des eine ebenso ubermenschliche
Kampfkraft verheifienden Helden verglichen.
Fiir die besondere Herausstellung der virtus Gordians III. mufite fiir
die 1. Emission eigens ein neuer Miinztyp ersonnen werden. Im Gegen-
satz zu den farblosen Typen der Fides, der Pax, der Providentia und der
Victoria erscheint es moglich, fiir den Typ des eilenden Kaisers nach ei-
nem konkreten Anlafi zu suchen.
Zu Beginn der Regierung des Kaisers war die Lage an den Grenzen auf-
grund der durch die inneren Unruhen bewirkten zeitweiligen Lahmung
der militarischen Handlungsfahigkeit des Reichs gegeniiber seinen aufie-
ren Feinden in besonderem Mafie gespannt. Die Friichte der Feldziige des
Maximinus I. gegen die Germanen, Sarmaten und Daker waren wieder
verloren gegangen, als der fiir 238 n. Chr. schon vorbereitete Feldzug
nicht durchgefuhrt werden konnte.111 Ungleich ernster noch war die Lage
im Osten, wo der junge sasanidische Staat eine offensive Expansionspoli-
tik betrieb. Schon seit 235 war es zu mehreren VorstofSen in die romi-
schen Grenzprovinzen gekommen,112 nun nutzten die Sasaniden ent-
schlossen die Unruhen innerhalb des Imperiums und fielen bereits im
Friihjahr 238 in Mesopotamien ein.113
Die Situation im Osten wurde bald derart kritisch, dafi sie sogar die
personliche Anwesenheit des jungen Kaiser an der Front erforderte. X.
109 Die Miinze mit Hercules und der Legende FORTITVDO AVG INVICTA von Clodius
Albinus (C. 26 [nach Vaillant], RIC 21), die als Vorbild gedient haben konnte, ist zwei-
felhaft (BMC V, S. 70, civ); zu dieser Miinze vgl. L. Berlinger, Beitrage zur inoffiziellen
Titulatur der romischen Kaiser, Diss. Breslau 1935, 63.
110 RIC 95, 108, 110, 116, 120, 309; vgl. auch die Sondertypen RIC 326 f. Wie der Typ des
vorwarts stiirmenden Kaisers wird auch dieser unter Gordian III. erstmals verwendete
Miinztyp von spateren Kaisern aufgegriffen: Gallienus (Alleinherrschaft): RIC 327 f.;
Aurelian: RIC 58; Probus: RIC 901 f.; Postumus: RIC 333 etc.
111 Loriot, 715 f.
112 E. Kettenhofen, Die romisch-persischen Kriege des 3. Jahrhunderts n. Chr., TAVO Bei-
heft Reihe B Nr. 55, Wiesbaden 1982, 19.
113 Loriot, 716 f., 759 f. Zumindest die Stadte Karrhai und Nisibis scheinen zeitweilig von
ihnen erobert worden zu sein, vgl. Zonaras 12, 18; zu deren Ruckeroberung B. Bleck-
mann, Die Reichskrise des III. Jahrhunderts in der spatantiken und byzantinischen Ge-
schichtsschreibung, Miinchen 1992, 64-66.
122
Axel Jiirging
Loriot114 hat aus einem eherechtliche Fragen betreffenden Reskript Gor-
dians III. vom 1. April 239 n. Chr. mit der Ortsangabe Antiochia115 und
aus einigen in der wiedereroffneten Reichsmunzstatte Antiochia geprag-
ten Edelmetallmiinzen116 einen Aufenthalt des Kaisers im Osten schon fur
die erste Halfte des Jahres 239 gefolgert. Hiergegen hat allerdings H.
Halfmann eingewandt, dafi der nach Auskunft einer Inschrift noch Mitte
Januar 239 in Rom weilende Kaiser unmoglich schon am 1. April in An-
tiochia hatte sein konnen, da eine solche Reise mindestens zweieinhalb
bis drei Monate in Anspruch genommen hatte;117 iiberdies beziehe sich
der ^ta-Vermerk des betreffenden Reskripts eher auf die Ubergabe des
Bescheides an den Petenten in Antiochia.118
H. Halfmann ist zuzugeben, dafi zwischen der Uberlieferungslage zu
dem 242 begonnenen grofien Orientfeldzug und zu der von Loriot postu-
lierten Orientreise Anfang 239 ein deutlicher Gegensatz besteht. Wahrend
wir iiber die Tatsache der expeditio orientalis von 242 zuverlassig unter-
richtet sind,119 schweigen die literarischen Quellen zu einer Reise des
Kaisers in den Osten im Jahre 239. Gleichwohl sind Halfmanns Einwande
nicht zwingend. Zunachst besitzen wir fiir den April 239 keinen Beweis
fur eine Anwesenheit des Kaisers in Rom.120 Auch wenn man davon aus-
geht, dafi die von H. Halfmann herangezogene Inschrift der Arvalbruder-
schaft eine Anwesenheit des Kaisers in Rom fiir Mitte Januar bezeugt,
wiirde bis Anfang April noch immer eine -Zeit von etwa zehn Wochen
114 Loriot, 760 und ders., Itinera Gordiani, AVGVSTI, I: Un voyage de Gordien III a An-
tioche en 239 apres J.-C.?, BSFN 26, 1971, 18-21; ebenso M. Weder, Seltene Miinzen
der Sammlung Dattari - Neuerwerbungen des Britischen Museums, NZ 96, 1982, 60. R.
Ziegler, Stadtisches Prestige und kaiserliche Politik. Studien zum Festwesen in Ostkili-
kien im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr., Diisseldorf 1985, 139 Fn. 25 nahm eine zumin-
dest geplante Reise an.
115 P. Kriiger, in: P. Kriiger, Th. Mommsen und G. Studemund (Hrsg.), Collectio librorum
iuris anteiustiniani, Bd. 3, Berlin 1890, S. 239 = G. Haenel, Corpus legum, Leipzig
1857, Nachdruck Aalen 1965, Nr. 992 = CJ 5, 5 anot. 8 (ed. P. Kriiger).
116 Insbesondere RIC 174, 203-204 und der Aureus mit Adventus-Typ (RIC 247).
117 H. Halfmann, Itinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Romi-
schen Reich, Wiesbaden 1986, 234 mit Bezug auf CIL 37165.
118 H. Halfmann, a. a. O., 234, der sich hier auf D. Norr, Zur Reskriptenpraxis in der ho-
hen Prinzipatszeit, ZSSR 98, 1981, 18 f., 33 f. bezieht; ebenso Halfmann, Gnomon 60,
1988, 522 Fn. 2.
119 B. Bleckmann, a. a. O. (s. o. Fn. 113), 57 ff.; M. H. Dodgeon und S. N. C. Lieu, The
Roman Eastern Frontier and the Persian Wars (AD 226-363), London - New York
1991, 34 f.
120 Ein Brief Gordians III. an Aphrodisias (J. Reynolds, Aphrodisias and Rome, London
1982, Nr. 20), beweist, wie die Herausgeberin bereits zu Recht bemerkte (S. 132),
nichts, da wir nicht wissen, wann genau im Jahre 239 n. Chr. der Brief verfafit worden
ist.
Die erste Emission Gordians III.
123
verbleiben. Fur die Verlegung grofierer Truppenverbande in den Osten
kann diese Zeitspanne zwar unmoglich ausgereicht haben, aber fiir eine
Reise des Kaisers mit seinem Gefolge von Rom nach Antiochia ist sie
keineswegs unmoglich,121 ja sie entspricht genau den zweieinhalb Mona-
ten, die Halfmann selbst als Reisezeit ansetzt. Eine Reise Gordians III. in
den Osten Anfang 239 ist damit zumindest nicht unmoglich. Es kommt
darauf an, welche Beweiskraft den von Loriot vorgebrachten Argumenten
zukommt.
Das von Loriot herangezogene Reskript ist eindeutig datiert, fraglich ist
allein, wie die Ortsangabe zu verstehen ist. Gerade die Deutung der data-
Vermerke bereitet noch Schwierigkeiten.122 T. Honore, der fruher eben-
falls, wenn auch mit gewisser Zuriickhaltung angenommen hatte, dafi sich
der data^Vermerk auf die Ubermittlung des Reskripts an den Petenten be-
ziehe,123 hat diese Auffassung mittlerweile ausdrucklich revidiert.124 Der
englische Gelehrte versteht den data^Vermerk jetzt als Ausfertigungsver-
merk, da eine Versendung der kaiserlichen Antworten an auswartige Pe-
tenten grundsatzlich nicht in Betracht kam. Allein fiir Gordian III. habe
ich fiir die im Codex Iustinianus verzeichneten Reskripte insgesamt gut
20 data^Vermerke gezahlt,125 was einem Anteil von etwa 10% an den im
Codex mit einem Ausfertigungsvermerk iiberlieferten Reskripten Gor-
dians entspricht. Der Anteil dieses Ausfertigungsvermerks ist damit zu
grofi, urn eine ausnahmsweise erfolgte Ubersendung an den Petenten126
bezeichnen zu konnen. Das Reskript lafit sich also in dem hier interessie-
renden Formularteil iibersetzen: „Gegeben zu Antiochia am 1. April" -
eine Formulierung, die auch in der deutschen Rechtssprache nicht uniib-
lich ist und sehr wohl auf die Anwesenheit des Kaisers deutet.
121 So hat H. Halfmann, a. a. O. (s. o. Fn. 117), 184 f. fiir die Reise Trajans von Rom nach
Antiochia im Jahre 113/114 n. Chr. eine Dauer von maximal 10 Wochen ermittelt
(freundlicher Hinweis von J. Nolle).
122 D. Norr, ZSSR 98, 1981, 18. Die Studie von Th. Sternberg, Die Kaiserreskripte der Jah-
re 222 (Alexander Severus) bis 244 (Gordian III.). Eine historisch-soziologische Studie,
Diss. Rostock 1986, 28 f. geht auf das hier interessierende Problem nicht naher ein.
123 Honore, Emperors and Lawyers, London 1981, 27 m. Fn. 32.
124 T. Honore, Emperors and Lawyers, 2. Aufl., Oxford 1994, 53 m. Fn. 117.
125 T. Honore, a. a. O., 2. Aufl. 1994, Palingenensia Nr. 976 = CJ 2.52.2; 977 = CJ 2.52.3;
980 = CJ 5.75.3; 984 = CJ 4.34.2; 985 = CJ 4.64.1; 993 = CJ 5.14.3; 1004 = CJ 4.21.4;
1005 = CJ 4.65.10; 1030 = CJ 3.32.6; 1031 = CJ 4.34.3; 1042 = CJ 3.1.6; 1048 = CJ 6.20.5;
1050 = CJ 1.54.3; 1058 = CJ 7.19.4; 1069 = CJ 3.6.1; 1070 = CJ 4.48.4; 1072 = CJ 2.50.4;
1102 = CJ 1.50.1; 1107 = CJ 5.4.8; 1165 = CJ 4.32.15; 1195 = CJ 7.52.4; vgl. das hier be-
sprochene, aber nicht im Codex enthaltene Reskript CJ 5.5 anot.
126 W. Williams, The Publication of Imperial Subscripts, ZPE 40, 1980, 283-294 hat iiber-
zeugend darauf hingewiesen, dafi eine generelle Ubermittlung der zahlreichen Kaiser-
reskripte gerade an au£erhalb Roms wohnende Petenten mit unverhaltnisma£igem Auf-
wand verbunden gewesen ware und nur ausnahmsweise vorgekommen sein diirfte.
124
Axel Jurging
Allerdings fragt sich, wie zuverlassig eine solche Ortsangabe ist. Zwar
ist es richtig, dafi die auf Reskripten gelegentlich anzutreffende Ortsanga-
be nicht unbedingt den Aufenthaltsort des Kaisers wiedergibt, doch be-
darf eine solche Feststellung der Prazisierung. Nur fiir die Ortsangabe
Rom ist eine Reihe von Reskripten fiir Zeiten bekannt, zu denen der Kai-
ser sicher nicht in Rom war.127 Dagegen werden von T. Honore nur drei
Falle fiir den umgekehrten Fall angefuhrt, dafi namlich der Kaiser in Rom
weilte, wahrend auf einem gleichzeitigen Reskript ein anderer Ort ange-
geben ist.128 Alle diese Falle lassen sich jedoch entweder durch einen ver-
derbten und schon deswegen nicht aussagekraftigen Ortsnamen129 oder
dadurch erklaren, dafi sich der Kaiser entgegen der Ansicht Honores tat-
sachlich an dem angegebenen Ort aufhielt.130 Offenbar war ausschliefilich
die Kanzlei in Rom in der Lage, Reskripte auch dann zu proponieren,
wenn sich der Kaiser in den Provinzen aufhielt. Umgekehrt gilt dies je-
doch gerade nicht. Damit stellt das von X. Loriot herangezogene Res-
kript mit der Ortsangabe Antiochia zumindest ein Indiz von ganz be-
trachtlichem Gewicht fiir eine Anwesenheit des Kaisers in Antiochia im
April 239 n. Chr. dar.
Ein weiteres Indiz fiir die Anwesenheit des Kaisers, zumindest aber fiir
besondere militarische Aktivitaten im Osten, ist die Pragung von Reichs-
miinzen in Antiochia.131 Schlagend ware die Beweisfuhrung Loriots fiir
eine Anwesenheit des Kaisers, wenn sich Aurei aus Antiochia hatten si-
cher nachweisen lassen, da in der hier interessierenden Zeit die Pragung
T. Honore, Emperors and Lawyers, London 1981, 29 mit Fn. 43-44; vgl. 2. AufL, Ox-
ford 1994, 46 m. Fn. 77 und D. Norr, ZSSR 98, 1981, 34-36.
Es handelt sich um die Reskripte CJ 6.46.2 vom Juli 205 mit Propositionsvermerk und
Ortsangabe Antiochia und CJ 5.3.5 (acc. Antiochiae, 258 n. Chr.), vgl. T. Honore,
a.a. O., 1. Aufl. (1981), 29 mit Fn. 43-44 = 2. AufL, 47 m. Fn. 82 und D. Norr, ZSSR
98, 1981, 36.
Fiir die Zeit des von T. Honore, ebd. und D. Norr, ebd. angefiihrten Belegs (CJ 4.29.1
vom Dezember 212 mit verderbter Ortsangabe Carviti [fiir Carnunti?]) war der Kaiser
nach H. Halfmann, a. a. O., 225 uberdies moglicherweise schon nicht mehr in Rom.
Hierauf werde ich an anderer Stelle ausfuhrlich zu sprechen kommen.
Die Klassifikation und der Prageort der nicht stadtromischen Edelmetallmiinzen ist,
auch im Hinblick auf ihr Verhaltnis zu den in Antiochia gepragten Tetradrachmen, noch
weitgehend ungeklart. Die Bearbeitung dieses wichtigen Komplexes wird von R. Bland
vorbereitet. Zumindest fiir die hier in Rede stehende friihe Gruppe von Miinzen besteht
jedoch schon bislang Einigkeit hinsichtlich des Prageorts Antiochia, s. Voetter, 407-410;
K. Pink, Antioch or Viminacium? A Contribution to the History of Gordian III and
Philip I, NC 1935, 102-105; A. Alfoldi, Zur Entstehungszeit der staatlichen Miinzstatte
Viminacium, NK 1935/36, 66; M. Weder, Seltene Miinzen der Sammlung Dattari - Neu-
erwerbungen des Britischen Museums, NZ 96, 1982, 60 und 64 m. Fn. 38; R. A. G. Car-
son, Coins of the Roman Empire, London - New York 1990, 79, 81.
Die erste Emission Gordians III.
125
von Goldmiinzen aufierhalb Roms grundsatzlich an die Anwesenheit des
Kaisers gebunden ist. Ein solcher Nachweis ist jedoch bislang nicht ge-
lungen.132 Aber insbesondere ein Miinzbild der Antiochener Antoninian-
pragung ist bereits aussagekraftig genug: das des reitenden Kaisers, der
eine Hand im Adventusgestus hebt und auf das bereits X. Loriot hinge-
wiesen hatte. Die Miinzen sind, wie iiberhaupt die fruhen Miinzen aus
Antioehia, recht selten, dennoch handelt es sich nicht etwa urn isolierte
Einzelstiicke. Fiir das Bild des reitenden Kaisers ist die Legende VICTO-
RIA AVG bzw. AVGVSTI bekannt133 sowie die Legende PM TRP II
COS (Tf. II 18-19), die die Miinzen in das Jahr 239 datiert.134 Der Ad-
ventus-Typ wird stets in Zusammenhang mit einem Kaiserbesuch ausge-
pragt.135 Zwar ist mit einem gewissen Vorlauf fiir die Pragevorbereitungen
zu rechnen, so dafi theoretisch die Pragung von Adventus-Miinzen denk-
bar ist, obwohl tatsachlich der zunachst geplante Kaiserbesuch kurzfristig
abgesagt wurde. Das gilt jedoch in erster Linie fiir die lokalen Stadtepra-
132 Der von Mattingly im RIC aufgenommene Aureus mit Adventus-Typ (RIC 247, Legen-
de: ADVENTVS AVG), den X. Loriot, a. a. O. (s. o. Fn. 114) Antioehia zuweist, fuik
nur auf einem von Cohen aus der Sammlung des Marquis de Moustier publizierten und
seitdem verschollenen Exemplar (Cohen, 2. Aufl. 1885, Nr. 15); auch X. Loriot war
kein Belegstiick bekannt. K. Pink (Pink, 26; vgl. RIC 247 Anm.) hat die Echtheit des
aus dem Rahmen der stadtromischen Pragung fallenden Goldstucks verstandlicherweise
angezweifelt. Immerhin kannte aber Cohen den Aureus nicht blofi aus dem Auktions-
katalog der Sammlung Moustier (H. Hoffmann [Paris], Auktion vom 17.6.1872: Catalo-
gue des medailles romaines compos ant la collection de feu M. le Marquis de Moustier,
Nr. 2817), sondern bereits aus der noch bestehenden Sammlung Moustier (Cohen, 1.
Aufl, Bd. 7, 1868, S. 246 Nr. 3).
133 RIC 203 f.
134 pur diesen Typ smc[ verschiedene Varianten bekannt:
Vs.: IMP CAES M ANT GORDIANVS AVG; drap. und gep. Buste des Kaisers mit
Strahlenkrone.
Rs.: PM TRP II COS PP; Kaiser reitet, halt Zepter und hebt Hand im Adventusgestus.
a. Vs. Buste n. r., Rs. Reiter n. r. RIC 174 (Zepter nicht beschrieben).
b. Vs. Buste n. r., Rs. Reiter n. 1. RIC -. Bankhaus Aufhauser (Munchen), Auk-
tion 8 (1992), Nr. 514 (hier Tf. II 18); weitere Exemplare: Aufhauser 6 (1989),
Nr. 504 und G. Hirsch Nachf. (Munchen) 166 (1990), Nr. 1188.
c. Vs. Buste n. 1., Rs. Reiter n. 1. RIC -. B. Peus Nachf. (Frankfurt/M.), Auktion
343 (1995), Nr. 449 (hier Tf. II19); weitere Exemplare in Briissel (M. Thirion,
Deux monnaies romaines inedites, CENB 5, 1968, 12.2) und im Handel: Peus
Nachf. 340 (1994), Nr. 1047; Numismatik Lanz (Munchen), 52 (1990), Nr. 616.
H. Mattingly weist den seltenen Typ sowohl Rom (RIC 50A) als auch Antioehia (RIC
174) zu, was nicht uberzeugend ist. Vielmehr diirfte Antioehia der alleinige Prageort
sein, so auch K. Pink, NC 1935, 103 und P. Le Gentilhomme, RN 1946, 37.
135 Zum Aussagegehalt dieses Typs auf Reichsmunzen vgl. zuletzt allgemein M. Weder,
Mint Forgeries of Siscia and Some ,Dates' of Gallienus, SNR 73, 1994, 80.
126
Axel Jiirging
gungen,136 denn fur die Stadte des griechischen Ostens bestand auch bei
einem nur geplanten Aufenthalt des Kaisers bereits Anlafi genug, sich
dessen auch auf den eigenen Miinzen zu ruhmen. Allein die konkrete
Moglichkeit, den Kaiser empfangen haben zu konnen, war fiir eine Stadt
schon prestigetrachtig. Die Typenauswahl der Reichsmiinzen wurde dage-
gen zentral gesteuert und beruhte auf zuverlassigeren Informationen als
die lokale Miinzpragung. Es mu£ allerdings eingeraumt werden, dafi in
den Reichsmiinzamtern in den Provinzen Fehler eher moglich sind als in
Rom. Tatsachlich begegnen uns auf den Reichsmiinzen von Antiochia aus
der Zeit von 238/239 in einigen, allerdings wenigen Fallen sehr unge-
wohnliche Legenden.137 Man kann also die Adventus-Miinzen wohl nicht
als Beweis fiir eine tatsachliche Ankunft des Kaisers in Antiochia neh-
men, aber zumindest belegen sie einen konkreten Reiseplan des Kaisers.
Isoliert fiir sich gesehen vermogen das Reskript vom 1. April 239 aus
Antiochia und die Adventus-Pragungen des gleichen Jahres einen Kaiser-
besuch nicht zu beweisen. Beides zusammen gesehen beweist jedoch m. E.
die Richtigkeit der von Loriot aufgestellten These eines tatsachlichen
Aufenthalts Gordians III. in Antiochia Anfang 239. Das Reskript lafit
sich, wie oben dargelegt, nur mit der Anwesenheit des Kaisers in Antio-
chia erklaren, die angesichts der durch die Miinzpragung belegten Reise-
plane nicht als suspekt ignoriert werden kann. Auch den Anlafi fiir den
Besuch des Kaisers im Osten kennen wir: Es sind die Kampfe mit den Sa-
saniden. Zeugnisse fiir militarische Auseinandersetzungen am Anfang der
Regierungszeit Gordians III. finden sich ebenfalls in der alexandrinischen
Miinzpragung.138
Das Bild, das sich daraus ergibt, ist das folgende: Der Kaiser reiste An-
fang 239 n. Chr. in den Osten, allerdings ohne grofiere Truppenverbande
mit sich zu fiihren. Wir diirfen annehmen, dafi sich im Jahre 239 starkere
Militareinheiten bereits vor Ort befanden. Moglicherweise waren Trup-
pen bereits unter Maximinus oder aber unter den Senatskaisern Balbinus
136 Yg| r Ziegler, Kaiser, Heer und stadtisches Geld. Untersuchungen zur Miinzpragung
von Anazarbos und anderer ostkilikischer Stadte, Erganzungsbande zu den Tituli Asiae
Minoris Nr. 16 = OsterrAkadWiss, phil.-hist. Kl., Denkschriften Bd. 234, Wien 1993,
74 f.
137 RIC 168-169 mit PM TRIP CON PP. Auch sonst kommen in den Reichsmunzstatten
aufierhalb Roms Fehler, zumindest aber Abweichungen von der Norm vor, so fiir Gor-
dian III. die Verwechslung von Liberalitas und Libertas (RIC 187; vgl. W. Kellner, Li-
bertas und Christogramm, Karlsruhe 1968, 45 f.).
138 M. Weder, NZ 96, 1982, 59 f. hat hier eine Bezugnahme auf Kampfe mit den Sasaniden
herausgearbeitet. Zu dem Aussagegehalt der kriegerischen Typen auf den stadtromi-
schen Medaillons 238/239 n. Chr. vgl. K. Pink, The Bronze Medaillons of Gordian III,
NC 1931, 249, 252 und M. Weder, NZ 96, 1982, 61-63, 69-71.
Die erste Emission Gordians III.
127
und Pupienus139 in den Osten verlegt worden. Die Reise des jungen Gor-
dian wirft dabei ein deutliches Licht auf den Ernst der militarischen Lage
im Osten zu Beginn seiner Regierung.
Gordian III. wurde zum Kaiser ausgerufen, als die Grenzen des Reichs
in hohem Mafie gefahrdet waren. Mit dem nach Herodian140 bei seiner
Ausrufung zum Kaiser erst dreizehnjahrigen Gordian III. war nach dem
beispiellosen Kaisersterben des Jahres 238 n. Chr. nun ein Knabe Allein-
herrscher des Reichs. Dieser konnte unmoglich die fur die Bewaltigung
der von aufien drohenden Gefahren erforderliche militarische Erfahrung
besitzen, und bis zum Auftreten des Timesitheus im Jahre 241 n. Chr.
scheint kein herausragender Berater den Kindkaiser angeleitet zu ha-
ben.141 Als gleichsam vorbeugende Reaktion auf mogliche Zweifel an der
Fahigkeit des Kaisers, die Situation militarisch zu meistern, wird fiir
Gordian III. ein neues Miinzbild geschaffen: Der Kaiser wird in seinem
ersten Regierungsjahr auf Miinzen betont kampferisch wie der Kriegsgott
selbst dargestellt. Damit ist der Miinztyp des eilenden Kaisers mit der
Legende VIRTVS AVG(usti) in der 1. Emission ein weiteres, bislang
nicht beachtetes Indiz fiir die besondere Bedrohlichkeit der militarischen
Lage an den Grenzen in der zweiten Jahreshalfte 238 und Anfang 239
n. Chr.
139 Zu moglichen Kriegsvorbereitungen unter Pupienus vgl. R. Ziegler, a. a. O. (s. o. Fn.
136), 84.
140 Herod. 8, 8, 8.
141 Loriot, 726-729; zu Timesitheus s. Loriot, 735 ff.
128
Axel Jiirging
Abbildungsverzeichnis:
la Gordian III., Denar, Jupiter. RIC -. Ehem. Sammlung Roth (Abguft Universitat Diis-
seldorf, Inv.-Nr. 4223).
lb Gordian III., Denar, Jupiter. RIC -. Ehem. Sammlung Roth (Abguft Universitat Diis-
seldorf, Inv.-Nr. 4224).
2a Gordian III., Denar, Pax. RIC -. ANS, Acc.-Nr. 1935.117.211.
2b Gordian III., Denar, Pax. RIC -. Britisches Museum, London, Inv.-Nr. 1992-5-9-191
(ex Sammlung Clay).
3a Gordian III., Denar, Victoria. RIC -. London, Inv.-Nr. 1990-12-28-1.
4b Gordian III., Dupondius, Kaiser r. RIC -. Sammlung Jiirging.
5 Gordian III., 1. Emission, As (13,22 g), Kaiser r. RIC 259 b. Berlin.
6 Gordian III., 1. Emission, Sesterz (21,36 g), Kaiser r. RIC 259 a. London, Inv.-Nr.
1992-5-9-299 (ex Sammlung Clay).
7 Gordian III., 1. Emission, Antoninian (4,13 g), Virtus. RIC 6. Sammlung Jiirging.
8 Gordian III., 2. Emission, Antoninian, Virtus. RIC 20. Rheinisches Landesmuseum
Bonn, Inv.-Nr. 18317 (aus dem Schatzfund Niederbieber III).
9 Gordian III., 4. Emission, Antoninian, VIRTVS AVG (Mars st. 1.). RIC 56. London
(Dorchester 280).
10 Gordian III., 2.? Emission, Sesterz (18,44 g), Kaiser r. RIC 266. Sammlung Jiirging.
11 Gordian III., Sesterz (23,82 g), Vota. RIC 263a. London, Inv.-Nr. 1992-5-9-297 (ex
Sammlung Clay).
12 Severus Alexander, Denar (3,05 g), Mars Ultor. BMC 833. Rheinisches Landesmuseum
Bonn, Inv. 8465.
13 Severus Alexander, Sesterz (19,28 g), Mars Ultor. BMC 843. London.
14 Gordian III., As (8,77 g), Mars Propugnator. RIC 332 b. London.
15 Gordian III., Sesterz (19,35 g), Mars Propugnator (TRP VII). RIC 339 a. London.
16 Gordian III., Antiochia, Antoninian (4,60 g), Mars. RIC 28. London (ex Bank Collec-
tion).
17 Gordian III., Antiochia, Antoninian (4,84 g), Mars Pacifer. RIC 212. London.
18 Gordian III., Antiochia, Antoninian (4,31 g), Kaiser reitet 1. RIC -. Bankhaus Aufhau-
ser (Miinchen), Auktion 8 (1992), Nr. 514.
19 Gordian III., Antiochia, Antoninian (4,28 g), Kaiser reitet 1. RIC -. B. Peus Nachf.
(Frankfurt/M.), Auktion 343 (1995), Nr. 449.
Fotos: ANS (2a); Bankhaus Aufhauser (18); B. Peus Nachf. (19); Universitat Diisseldorf,
Historisches Seminar, Abteilung fur Alte Geschichte (la-b); Sonst.: Verfasser.