Die Antinoos-Medaillons von Bithynion-Klaudiopolis more

Published in 'Schweizerische Numismatische Rundschau', 80, 2001, S.109-126, Taf. 12,13.

DIE ANTINOOS HANS-CHRISTOPH VON MOSCH - MEDAILLONS VON BITHYNION Tafeln 12-13 - KLAUDIOPOLIS «Die Ehre und die Krone der Kunst dieser sowohl als aller Zeiten sind zwei Bildnisse des Antinoos», urteilte Winckelmann 1763 iiber ein Relief in der Villa Albani, das Antinoos als Silvanus zeigt, und iiber den sog. Mondragone-Kopf aus Frascati, der zu einem 5-6 m hohen Kultbild des Antinoos gehorte. Heute, da nahezu 100 plastische Portrats des Antinoos bekannt sind, darunter qualitatvolle Werke wie die 1893 in Delphi gefundene Statue desjunglings als Ephebe, ist diese Euphorie langst von einem veranderten Zeitgeschmack relativiert worden, der nach originarer Kunst fragt und solche Werke als eklektisch zuruckstuft, und durch Neufunde, die die Skala der Superlative jederzeit verschieben konnen.1 Ein bestandigeres Feld fur solche Wertungen bietet die Miinzkunst. Das zeigt allein die Arbeit von Gustave Blum iiber die «Numismatique d'Antinoos» aus dem Jahr 1914, deren Materialvorlage bis heute zwar durch zahlreiche neue Stiicke aber nur wenige neue Typen erganzt werden muB. Die im folgenden zu besprechenden Medaillons aus Bithynion - Klaudiopolis, der Geburtsstadt des Antinoos an der Stelle des heutigen tiirkischen Ortes Bolu, konnen in Anbetracht der iiber zwanzig erhaltenen Exemplare durchaus zu den besten Schopfungen der provinzialen Miinzstatten des romischen Reiches gezahlt werden. Auffallig viele Merkmale zeigen, dass die Medaillons auch in der An tike bereits besonders geschatzt wurden. So weist ein noch heute herrlich erhaltenes Exemplar (Kat. Nr. 12, Taf. 12, B; 6) eine Bohrung mit Spuren einer Bleiverfiillung im Rand unterhalb der Biiste auf, die sicherlich zur Aufstellung des Miinzportrats auf einem Sockel gedient hat. In Bibliographie Becker-Bertau BlRLEY Blum fougeres Lambert Meyer Weiser f. Becker-Bertau, Die Inschriften von Klaudiupolis. Inschriften Griechischcr Stadte aus Kleinasien 31 (Bonn 1986) A. Birley, Hadrian. The Restless Emperor (London 1997) G. Blum, Numismatique d'Antinoos, JIAN 16, 1914, S. 33-70 G. fougeres, Mantinee et l'Arcadie Orientale (Paris 1898) R. Lambert, Beloved and God. The Story of Hadrian and Antinous (New York 1992) H. Meyer, Antinoos. Die archaologischen Denkinaler unter Einbeziehung des numismatischen und epigraphischen Materials sowie der litera- rischen Nachrichten (Miinchen 1991) W. Weiser, Zur Miinzpragung in Bithynion, in: Becker-Bertau S. 149ff. 1 Den ncuesten Forschungsstand zum Antinoosportrat gibt Meyer passim; ders. (Hrsg.), Der Obelisk des Antinoos (Miinchen 1994) S. 153ff. nennt 96 Marmorportrats. Zum Relief Rom, Villa Albani 994: Meyer S. 76ff. I 55; Kopf Mondragone, Paris Louvre 1205: Meyer S. 114f. Ill 3; Statue Delphi, Museum 1718: Meyer S. 36ff. I 15. 109 einem anderen Fall wurde die Riickseite eines Medaillons aus Bithynion - Klaudiopolis (Typus III) mit der Vorderseite eines Medaillons der Arkader kombiniert, im Inneren mit Silber belegt und so zu einem Taschenspiegel umgearbeitet.2 Besonders raffiniep# ist die Umarbeitung eines Medaillons mit abgedrehter Riickseite zu einer kleinen hangenden Sonnenuhr (pensile) mit beweglichem Linear, einem Schattenwerfer (gnomon) und der Gravierung der bithynischen Monatsnamen.3 Andere auf der Riickseite stark abgeschliffene Exemplare miissen als Spielsteine Besitzern gedient haben, die das Portrat besonders schatzten4. Manche Stiicke tragen Reste einer antiken Versilberung auf der Oberflache5. In Aquileia wurde die Vorderseite «A» unserer Medaillonserie zur Verzierung dreier Terrakotta-Appliken in Ton abgedriickt. Mit einfachem Strich- dekor umgeben wurden die Stiicke vermutlich als Votivtafeln oder als Appliken eines Holzsarkophags verwendet.6 Die Gegenwart honoriert diese prachtigen Pragungen mit den hochsten Auktionsergebnissen, die jemals fur kaiserzeitliche Miinzen der ostlichen Stadte erzielt worden sind. Den Gegensatz zu solchen representative n Funktionen bilden Stiicke, die bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen sind und auf einen langen Umlauf als Zahlungsmittel schliefien lassen.7 Vorgeschichte und Anlass zur Emission der Medaillons sind schnell zusam- mengefasst. Antinoos stammte wohl aus einem Ort namens Mantineion am See von Yenicaga im waldigen Hochland des Territoriums von Bithynion — Klau- diopolis an der alten Grenze zwischen Bithynien und Paphlagonien.8 Man nimmt an, dass Hadrian auf der Reise von Antiochia iiber Ankyra nach Nikomedia entweder im Herbst 123 oder im Friihjahr 124 die Stadt besuchte und Antinoos seitdem den Kaiser begleitete.9 Die Stadt Bithynion, vor allern dadurch bekannt, dass Plinius (ep. 10, 39, 5; 10, 40, 3) eine skeptische Beurteilung iiber die Er- richtung einer gewaltigen Badeanlage auf ungiinstigem Terrain an Traian schickte, hiefi zu Plinius' Zeit noch Klaudiopolis, und nahm erst unter Hadrian wieder ihren alten Namen mit dem Zusatz Hadriana an. Sonst ist wenig Be- merkenswertes iiber die Stadt zu berichten. Erst als Antinoos wahrscheinlich am 24. Oktober 130 im Nil auf Hohe der Stadt Hermopolis zu Tode kam, wurde auch seine Geburtsstadt in Hadrians Plane zu seiner Apotheose miteinbezogen. Ein 2 Slg. Jameson III, 442 = Auktion Leu 30, 1982, 369, heute Museum Boston (1982.283) (Ruckseitenstempel 6 unseres Katalogs, aber mit vermutlich nachtraglich dem Stempel hinzugefugtem Stern). 3 E. Buchner, Romische Medaillons als Sonnenuhren. Chiron 6, 1976, S. 329ff., Taf. 54, 1-2 (Stempel B unseres Katalogs); eine weitere Uhr aus einem Antinoosmedaillon befindet sich in Mailand: ebd. S. 330, Taf. 55, 3 (Rs.) (Lit.). 4 SNG Cop. 338 (Vs. Stempel A); Schulmann New York, Juni 1969 (TO. Mabott) 1098 (Vs. Stempel A). 5 Kat. Nr. 7; 15. 6 Meyer S. 136. 248, Taf. 122. 7 Schulman (siehe Anm. 4), 1097; Kat. Nr. 5; 17. 8 L Robert, A travers l'Asie mineure (Paris 1980) S. 132-140; Becker-Bertau S. 16, Anm. 18-20; BirleyS. 158. 180. y H. Halfmann, Itinera principum. Geschichte und Typologie der Kaiserreisen im Romischen Reich (Stuttgart 1986), S. 188ff.; Becker-Bertau S. 3; Lambert S. 43ff.; Biri.ey S. 158. 110 grofier Tempel wurde auf der Akropolis gebaut, von dem die Fundamente und ein Medusenhauptfries erhalten sind. Er konnte identisch sein mit der achtsauligen Tempelfront, die seit dieser Zeit auf den Stadtpragungen erschien.10 Auf der Siegesliste eines Laufers aus Aphrodisias wird ein Agon genannt, den Hadrian fur Antinoos in Bithynion einrichten lieB, und eine Inschrift aus Bithynion lasst auf stadtische Mysterien im Antinooskult schlieBen." Ob Hadrian die Stadt noch einmal besuchte, ist noch immer ungeklart, da seine Reiseroute vom Friihjahr 133 bis zum Beleg seiner Anwesenheit in Rom vom 5. Mai 134 unsicher ist, doch sprechen die aussergewohnlich reprasentativen Antinoosmedaillons dafiir, dass in der Stadt zumindest ein Besuch des Kaisers etwa zur Einweihung des neuen Tempels erwartet wurde.12 Ausgehend von der Annahme, dass die ab 134 ein- setzende alexandrinische Munzpragung auf Antinoos als AnstoB und Vorbild fur die Antinoospragungen anderer ostlicher Stadte diente, werden auch die Medaillons aus Bithynion in diese Zeit datiert.13 Weitere Anhaltspunkte fur eine genauere Datierung als zwischen 134 und 138, dem Todesjahr Hadrians, mit dem die Herstellung von Antinoosmunzen und Portrats zumindest auBerhalb Bithynions ein schnelles Ende fand, gibt es bisher nicht.14 Die GroBe der Medaillons, die hohe Qualitat der Portratstempel und die Tatsache, dass Bithynion die Geburtstadt des neuen Theos war, sprechen dafiir, dass auch den Reversbildern dieser Emission eine besondere Bedeutung im Hinblick auf Hadrian, sein Apotheoseprogramm fur Antinoos und die Selbst- darstellung der Stadt zukam. Demnach erfuhren die Medaillons viele verschiedene Deutungsvorschlage, die jedoch immer nur Einzelaspekte interpretierten, nie aber den Zusammenhang der offensichtlich einen Mythos erzahlenden Bilder klaren konnten. Das Bestehen eines Zusammenhangs wurde allerdings indirekt von den meisten Autoren durch die Vermutung anerkannt, dass die Miinzen wohl Gemalde oder Reliefs in der Stadt wiedergaben. Als haufigste Beschreibung der Reversbilder findet man in Auktionskatalogen und neuerer Literatur die auf Blum zuriickgehende Interpretation des Antinoos als Hermes Nomios, des Beschutzers der Weiden und Herden. Doch schon im 17. 10 Antinoos / Tempel: Rec. gen. S. 270, 18, Taf. 41, 20 = Blum S. 42, 1 = Weiser Nr. 27 (umgraviert). Zu den Uberresten des Tempels Becker-Bertau S. 22f.; S. Schorndorfer, Offendiche Bauten hadrianischer Zeit in Kleinasien (Miinster 1997) S. 140f. Abb. 51; Taf. 1, 2. Spatere Tempelbilder auf den Stadtpragungen der nachhadrianischen Zeit: Weiser 154 s.v. Tempel. 11 Zur Inschrift aus Aphrodisias Becker-Bertau S. 20. 145f., T 26 Z. 19. Zu den Mysterien fur Antinoos IGR III 73; Becker-Bertau S. 68 f. Nr. 65; Meyer S. 253. 258 (Lit). 12 BirleyS. 273-279; Lambert, S. 167, halt einen Kaiserbesuch 134 fur moglich. J.M.C. Toynbee, Greek Imperial Medaillons, JRS 34, 1944, S. 65ff., halt die Medaillons fur «festival issues», die anlasslich der Antinoos-Feste ausgegeben wurdcn. Dagegen spricht, dass die Medaillons einmalig und nur zu Hadrians Lebzeiten gepragt wurden, vvahrend die Feste bis ins 3. Jh. belegt sind, dazu Meyer S. 243ff. 13 J. Vogt, Die Alexandrinischen Miinzen (Stuttgart 1924) S. 106; Blum S. 59f.; D.O.A. KLoSE, Die Miinzpragung von Smyrna in der romischen Kaiserzeit; AMuGS 10 (Berlin 1987) S. 68f.; Meyer 137ff. 14 Meyer S. 15, zum Fortleben des Kultes bis ins 3. Jh. n. Chr. ebd. S. 243ff.; Lambert S. 194ff. Ill Jh. wurden ausfuhrlichere Deutungsvorschlage fiir die beliebten Medaillons gemacht. 1644 brachte J. Tristan das Motiv des Typus I {Taf. 12, 1) in Verbindung mit Arrians Beschreibung eines Tempels in Trapezus (Peripl. 1.2 ff), fiir dessen unwiirdige Statuenausstattung Arrian als inspizierender legatus von Kaiser Hadrian qualitatvolleren Ersatz anforderte: Eine Kaiserstatue, eine funf FuB hohe Hermesstatue und eine vier FuB hohe Statue des Philesius, der wohl ein in Trapezus verehrter Hermesabkommling war. In Gestalt dieses Philesius sollen die Medaillons den Antinoos dargestellt haben. Nun ist auch beim heutigen Stand der Uberlieferung die Gestalt des Philesios in Verbindung mit Hermes nicht iiber die Grenzen von Trapezus hinaus nachweisbar, aber schon 1739 wird bei der Be- schreibung zweier Medaillons aus Bithynion in der Bibliotheca Vaticana der richtige Weg angedeutet. Anders als Tristan beschreibt Venutus Cortensis die Szene (Typus III, Taf. 12, 4-6; Taf. 13, 7) als Mercur, der die Rinder des Apollon raubt, mit dem Verweis auf Antoninus Liberalis, aber offensichtlich noch in Unkenntnis des Homerischen Hermeshymnus.15 Mit der fortschreitenden ErschlieBung der Schriftquellen wurden weitere Aspekte der Bilder entschliisselt. Der Stern iiber dem Hermes-Antinoos, der auf den meisten Reverstempeln zu sehen ist {Taf. 12, 1-5; Taf 13, 7), wurde als Apotheosezeichen gedeutet und mit der Uberlieferung in Verbindung gebracht, derzufolge nach Antinoos' Tod im Nil ein neuer Stern aufgetaucht sei, den Hadrian fiir die Seele des Verstorbenen gehalten hat. Nach einer anderen Uber- lieferung bildeten sechs Sterne im Zeichen des Adlers das Sternbild des an den Himmel versetzten Jiinglings. Die langliche Pflanze, nach der Hermes auf dem Reversbild des Typus III greift (Taf. 12, 4-6; Taf. 13, 7), wurde als Rosen-Lotus identifiziert, der in einem antiken Gedicht auf Antinoos nach ihm benannt worden war.i6 Abgesehen von diesen Interpretationen einzelner Bilddetails wurde die Identifizierung des mit dem Stier agierenden Jiinglings als Hermes Nomios auch angezweifelt, da die Figur ein Lagobolon tragt «anstatt des deutlicheren Kery- keion». Auch dass ein Stier fur den zu erwartenden Widder steht, konnte man sich bei der Hermesdeutung schwer erklaren. Aus diesen Griinden wurden Mischwesen wie Antinoos-Pan oder Antinoos-Hermes-Pan vorgeschlagen. Klose brachte die synkretistische Gestalt eines Attis-Hermes mit dem Stier der Kybele in die Diskussion, wahrend Meyer eine Darstellung des Aristaios annahm. Als Schirmgott von Ackerbau und Viehzucht sei dieser als Hirte gezeigt, der «allem Anschein nach eine drohende Gefahr mit einem Steinwurf» abweist und dessen Fliigelschuhe ihn als Urheber der Passatwinde kennzeichneten.17 15 J. Tristan, Commentaires Historiques (Paris 1644) S. 540ff. v.a. 547ff. Abb. 3 (Vs. A; Rs. Typ I); R. Venutus Cortensis, Antiqua Numisrnata Maximi Moduli ex Museo Albani in Vaticanam Bibliothecam translata (Rom 1739) S. 29,Taf. 15, 1 (Vs. A; Rs. Typ III), 2 (Vs. B; Rs. Typ III); S. 31f., Taf. 16, 2 (Vs. C; Rs. Typ VI). 16 Stern: Cass. Dio 11, 4; Ptol. Synt. Mathem. II p. 74, 9; MEYER S. 172 I E 17; BlRLEY 247. - Lotus: Athenaios 15, 667d; W. Weber, Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Hadrian (Leipzig 1907) S. 186f£; Meyer S. 255; BirleyS. 252. 17 Weber a.O. (Anm. 16) S. 187 (Antinoos-Pan); Robert a.O. (Anm. 8), S. 133 (Antinoos- Hermes-Pan); Klose a.O. (Anm. 13), S. 17; Meyer S. 135ff. 112 Da aber weder die Figur eines Attis-Hermes mit dem Stier der Kybele anderweitig belegbar ist, noch auf einem der Stempel em Stein in der Hand des Junglings auszumachen ist, soli im folgenden ausgehend von den Flugelschuhen wieder der Deutung als Hermes vor dem Hintergrund der neuen prominenten Rolle Bithynions in Hadrians panhellenischem Bezugssystem zu ihrem Recht verholfen werden. Der Schliissel zu diesem von Hadrian sicherlich personlich mitgestalteten Bezugssystem, das die Stadte Bithynion, Mantineia und Antinoopolis mit Hilfe des Mythos in eine besondere Beziehungen zueinander setzte, liegt in den Namen der 10 Phylen und 50 Demen der wohl am 30. Oktober 130 gegriindeten Stadt Antinoopolis, die den Ort verewigen sollte, an dem Antinoos den Tod im Nil gefunden hatte. Neben der kaiserlichen Dynastie spielten in den Benennungen der Phylen und Demen die Stadte Athen und Eleusis eine Rolle im Hinblick auf Hadrians Einweihung in die eleusinischen Mysterien und auf das zu dieser Zeit sich in Athen formierende Panhellenion.18 Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Antinoos und seiner Herkunft. Unter der Phyle Oseirantinoeios finden sich Demen vereint, deren Namen Kleitorios, Parrhasios, Bithynieus und Hermaieus ein deutliches Programm ausdriicken.19 Als Sonne des Lykaon waren Kleitor und Parrhasios Briider des Mantineus, des Griinders von Mantineia, und ebenfalls Grander von Stadten in Arkadien; nach letzterem wurden die Parrhasioi, der grofite Unterstamm der Arkader, benannt, dessen Namen dichterisch oft als Synonym fur die Arkader verwendet wurde. Bithynos war nach Stephanos von Byzanz ein Sohn des Zeus, der eponyme Heros Bithyniens und damit wohl auch von Bithynion.20 Es zeigt sich, dass arkadische Grimderheroen, der ktistes von Bithynion und Hermes die drei Aspekte waren, die Antinoos' eugeneia definieren sollten und zugleich Mantineia, Arkadien, Bithynion und Antinoopolis in besonderer Weise miteinander verbanden. Zur Verbindung des Panhellenions mit Eleusis zuletzt: C. Jones, A Decree of Thyateira in Lydia, Chiron 29, 1999, S. 14f. mit Anm. 43 (Lit). Der anzunehmende funfte Demos dieser Phyle ist leider bisher nicht bekannt. Die gelegentlich zu lesende Zuweisung des Demos Musageteios an die Phyle Oseirantinoeios ist nicht haltbar. So noch A. Calderini, Dizionario dei geografici e topografici dell'Egitto greco-romano I, 2 (Madrid 1966) S. 105ff. 108, und H. Bell, Antinoopolis: A Hadrianic Foundation in Egypt, JRS 30, 1940, S. 140f. Musageteios gehort jedoch eindeutig zur Phyle Hadrianeios: PSI XI (Florenz 1951), S. 22 Nr. 1237 Z. 9. 25. 27. Meyer S. 197 f. 216f., vermutet einen Demos Mantineieus. Siehe auch M. Zahrnt, Antinoopolis in Agypten, ANRWII/10,1 (1988) S. 688, Anm. 74 (Lit.) ;zu Antinoopolis zuletzt umfassend D. Kessler, in: H. Meyer (Hrsg.) a.O. (Anm. 1) S. 91ff.; zur Phyle Hermaieus ebd. S. 119; ebd. S. 159 listet die bekannten Phylen und Demen auf, wobei der Demos Musageteios falschlicherweise unter die Phyle Oseirantinoeios gerutscht ist. Dieser Fehler wird ubernommen von M.T. Broatwright, Hadrian and the Cities of the Roman Empire (Princeton 2000), S. 194, Anm. 124. S. 190-196 (zusammenfassend zu Antinoopolis). Zu Kleitor: M. Jost, Sanctuaires et cultes d'Arcadie (1985), S. 38ff; zu den Parrhasioi ebd. 168ff.; RE XIII, 2 (1927) s.v. Lykaon 2248ff. (J. Schmidt). - Zu Bithynos: Lambert S. 152; BirleyS. 254f.; Becker-Bertau S. 1, Anm. 5. 136 T 12 Anm. 32; Steph. Byz. s.v. Bithyai. 113 Der Zusammenhang zwischen den arkadischen Griindungsheroen und den Stadten Mantineia in Arkadien und Bithynion in Kleinasien wird von Pausanias (VTII 9, 7) erklart. Er schreibt, die Einwohner Bithynions seien urspriinglich Ar- kader und Mantineer gewesen. Deshalb habe Hadrian dem Antinoos auch in Mantineia einen Kult eingerichtet mit einem jahrlichen Fest und penteterischen Wettkampfen. Im Gymnasion von Mantineia sah Pausanias auch einen Raum mit Statuen und Gemalden des Antinoos, von denen die meisten ihn als Dionysos darstellten. Wie alt diese mythischen Verbindungen zwischen Mantineia und Bithynion wirklich waren, lasst sich heute nicht mehr feststellen, doch sprechen gemeinsame topographische Namen wie Melangeia, Mantineion (der Ort, aus dem Antinoos stammt) und der FluB Ladon, der, gleichnamig mit dem arka- dischen FluB, sudlich an Bithynion vorbeiflieBt, daftir, dass den Einwohnern Bithynions schon vor Hadrian ihre Abstammung aus Arkadien bewusst war.21 Dass aber gerade Mantineia von Hadrian zum griechischen Zentrum des Antinoos- kultes auserkoren wurde, konnte damit zu erklaren sein, dass in dieser Stadt noch ein zweiter Grtinderkult neben dem des eponymen ktistes Mantineus existierte. Er gait der Heroine Antinoe, die die urspriinglich an einem anderen Ort erbaute Stadt an ihren heutigen Platz verlegt hatte (Paus. VIII 8,4): Mantineus, der Sohn des Lykaon, hat die Stadt offensichtlich an einer anderen Stelle erbaut, die die Arkader bis in unsere Zeit Polis {Stadt) nennen. Von hier her fiihrte Antinoe, die Tochter des Kepheus und Enkelin des Aleos, die Einwohner an diesen Ort, wobei sie eine Schlange - welcher Art ist nicht iiberliefert - zum Orakel erhob und zur Fiihrerin machte; und daher hat der FluB, der an der heutigen Stadt vorbeiflieBt, den Namen Ophis {Schlange) erhalten. Als Grtinderin wurde sie daher in einem runden Heroon im Stadtgebiet in der Nahe des Theaters verehrt (Paus. VIII 9,5).22 Neben den schon bestehenden mythischen Verbindungen zwischen Arkadern und der Stadt Bithynion mag auch die Identitat des Namens mit der Stadt- griinderin von Mantineia Hadrian dazu bewogen haben, gerade diese Stadt auszuwahlen, um Antinoos und dessen bithynischer Mutterstadt eine noble Her- kunft zu konstruieren. Dieses mythologische Bindcglied scheint sogar bis ins 3. Jh. hinein fur die Identitat Bithynions wichtig gewesen zu sein. In dieser Zeit, da die Miinzpragung noch immer auf Hadrian und Antinoos-Hermes Bezug nimmt, taucht ein bisher ungedeutetes Motiv auf einer Pragung mit Iulia Paula-Avers auf: Ein Madchen steht vor einer riesigen Schlange. Gemeint ist wahrscheinlich der Grundungsmythos der Mutterstadt Mantineia, der durch Antinoos ein erwah- nenswerter Bestandteil der noblen Vergangenheit Bithynions geworden war.'23 So wurde Antinoos miteingewoben in die mythologischen Bande zwischen griechischem Mutterland und seiner bis dato unbedeutenden Geburtstadt, die wie 21 Fougeres S. 204, Anm. 5; Becker-Bertau S. 14ff. 22 Zur archaologischen Situation fougeres 193f.; zum Antinoe-Kult ebd. S. 314ff. 23 Mixnzen: Severus Alexander / Hadrianbuste, Weiser S. 160, 1; Iulia Paula / Hadrian im Tempel, Weiser S. 160, 3. 5. 7. 9; Severus Alexander / Hadrian im Tempel, Weiser S. 160, 5. 6; Caracalla / Antinoos-Hermes, Weiser S. 159, 10; Iulia Paula / Antinoe (?) mit Schlange, Weiser S. 160, 2. 10; Rec. gen. S. 277, 61, Taf. 43, 13. 114 viele andcre kleinasiatische Stadte auch in der anregenden Atmosphare des sich formierenden Panhellcnischen Bundes ihre vornehme arkadische Herkunft neu definierte.24 Welche Rolle spielte nun Hermes in diesem mythologischen Geflecht? In den agyptischen Pantheon ging Antinoos als Osiris oder Hermes Thoth ein, was aus den alexandrinischen Miinzen und der Inschrift seines Grabtempelobelisken aus Antinoopolis (heute auf dem Pincio in Rom) hervorgeht. Auch in der kilikischen Stadt Tarsos wird er auf Miinzen als agyptische Gottheit mit der hem-hem Krone dargestellt25 Doch im westlichen Kleinasien und in Griechenland gibt es keine Hinweise auf Angleichung an agyptische Gottheiten. Hier wird Antinoos als Heros oder Gottheit der griechischen Welt gezeigt, besonders haufig in der Ikonographie des Dionysos. Die Medaillonserie aus Bithynion weist ebenfalls keine agyptischen Attribute auf. Diese Serie, die durch Koppelung dreier Vorderseitenstempel mit zehn Riickseitenstempeln zu einer Emission zusammengefasst werden kann, erzahlt offensichtlich in funf verschiedenen Bildtypen einen Mythos (Taf. 12-13, 1- 8. 11), wahrend ein sechstes Bild mit einer weiblichen Biiste {Taf. 13, 10) und ein siebtes mit der Darstellung des Apollon Kitharodos {Taf. 13, 9) aus dem Rahmen fallen, aber durch gemeinsame Vorderseitenstempel zu der Emission gehoren und demnach auch mit der Bilderzahlung zusammenhangen konnten. Die folgende Beschreibung der Rtickseitentypen ist bereits in der Reihenfolge geordnet, wie sie nach dem weiter unten vorgestellten Mythos einen Sinn ergeben. Typus I Zwei Rs.-Stempel gekoppelt mit zwei Vs.-Stempeln; Portrat 1. und r. {Taf. 12, A, B. 1-2): Hermes mit deutlich sichtbaren Fliigelschuhen steht in einem leichten Ausfallschritt nach links hin und hat den Kopf geradeaus gerichtet. Er tragt eine typische Hirtentracht, die Exomis, dariiber einen Schultermantel und in seiner Linken ein Lagobolon. Die rechte Hand hat. er auf den Nacken eines Rindes ge- legt, das in die gleiche Richtung schreitet. Uber der Szene leuchtet ein sechs- strahliger Stern. Typus II Ein Rs.-Stempel gekoppelt mit einem Vs.-Stempel; Portrat r. {Taf. 12, A. 3): Die Szene ist bis auf ein Detail identisch mit der vorigen. Doch hier halt. Hermes seinen rechten Arm angewinkelt vor sich erhoben und hat die Hand zu einer Geste mit 24 Bisher gibt es keinen Hinweis auf eine Mitgliedschaft Bithynions im Panhellenischen Bund: A.J. spawforth, S. Walker, The World of the Panhellenion, JRS 75, 1985, S. 79ff. Fig. I (Karte moglicher Mitglieder); zuletzt A.J. spawforth, The Panhellenion Again, . Chiron 29, 1999, S. 347ff. 25 Zum Obelisk: Meyer S. 175ff.; zu den Miinzen von Tarsos: W.H. Gross, Zu den Miinzbildnissen des Antinoos, in: E. boehringer (Hrsg.), Wissensch. Abh. des Dcutschen Numismatikertages in Gottingen 1951 (Gottingen 1959) S. 39ff. v.a. 42, weist auf die engen stilistischen Parallelen der Antinoospragungen beider Stadte hin, «dass man an die Identitat einzelner Stempelschneider glauben mochte»; Meyer S. 138. 149 f. Taf. 118. Toynbee a.O. (Anm. 12) S. 66 vermutet «imperial medallists from Rome, commissioned by the Greek cities to design these special pieces». 115 geschlossenen vier Fingern und gekriimmt gestrecktem Zeigefmger geformt. Sein Kopf ist-leicht gesenkt. Die Geste ist schwer zu erklaren, doch die Haltung von Kopf und Zeigefinger schlieBt aus, dass Hermes auf etwas Bestimmtes zeigt. Am ehesten ist hier an eine rhetorische Geste zu denken, wie sie bei Philosophenbildern als Aufzahlen der Argumente gedeutet wird.26 Typus III Vier Rs.-Stempel gekoppelt mit zwei Vs.-Stempeln; Portrat 1. und r. (Taf 12, A, B; 4-6, Taf. 13, 7): Hier wird die Bilderzahlung offensichtlich fortgesetzt, was an den gleichbleibenden Gewandern und Attributen erkennbar ist. Wieder ist das Rind an der Seite des Hermes, doch hier mit gesenktem Haupt. Hermes eilt nach links hin und hat den Kopf zuriickgewandt, seine rechte Hand hat er nach einer lang- lichen schilfahnlichen Pflanze ausgestreckt. Drei Stempel iiberliefern die Szene mit Stern am Himmel (Taf. 12, 4-5; Taf. 13, 7), auf einem wurde der Stern weg- gelassen {Taf. 12, 6). Diesen Bildtypus scheint man fur die beste Darstellung in der Serie gehalten zu haben. Dafur spricht nicht nur die groBte Anzahl von Rs.- Stempeln, sondern auch die Tatsache, dass diese Szene als einzige aus dem Zyklus auch in spaterer Zeit noch weitergepragt wurde, da sie vielleicht als Schlusselszene des Mythos angesehen wurde.27 Typus TV Ein Rs.-Stempel gekoppelt mit einem Vs.-Stempel; Portrat r. {Taf 12, A; Taf. 13, 8): Die Szene fuhrt die Handlung weiter fort. Hermes eilt nun in die ent- gegengesetzte Richtung nach rechts. Seine ausschreitende Haltung mit dem zuriickgewandten Kopf und dem nach hinten ausgestreckten rechten Arm ist die ikonographische Formel fur den Anfuhrer, der seine Leute zur Folge aufruft.28 Das Rind an seiner Seite scheint als pars pro toto fur eine ganze Herde mit dieser Geste gemeint zu sein. Doch seltsamerweise lauft das Rind mit erhobenen Vorderlaufen im Galopp in die entgegengesetzte Richtung. Typus V Die Existenz dieses Typus ist etwas umstandlich nachzuweisen, da er nur in einem neuzeitlich umgeschnittenen Exemplar in Wien iiberliefert ist {Taf. 13, 11). Das Stuck ist jedoch nach einer heute verschollenen Vorlage in der Sammlung der «Reg. Suecia» umgeschnitten worden, die Vaillant im Jahr 1700 wie folgt be- schrieben hat: Vs.: H nATPIC ANTINOON 0EON, Patria Antinoum Divum colit. Rs.: BEI0YNIEQN AAPIAM2N. Bithynium Urbs Bithyniae. Antinous paludatus stans, d. palmam, s. ramum; pone eum taurus.29 26 Vgl. P. Zanker, Die Maske des Sokrates (Miinchen 1995), S. 183f., Abb. 101. 27 Blum S. 45, 13, Taf. 2, 21 (Caracalla). 28 F. Imhoof-Blumer, Seefahrende Iieroen. Nomisma 5,1910, S. 25-39; P. Weiss, Asia Minor Studien 6, 1992, S. 162f. 29 J. Vaillant, Numismata Graeca (Amsterdam 1700), S. 39. 116 Diese Beschreibung ubernimmt auch Mionnet mit dem Verweis auf Vaillant.30 Wenn auch dieses Stuck nie abgebildet wurde, so fugt es sich doch mit seiner Vorder- und Ruckseitenlegende problemlos in die Medaillonserie ein - im Gegensatz z.u dem umgeschnittenen Wiener Stuck (Taf. 13, 11), das auf der Vorderseite die Legende HPOC ANTINOOC und auf der Riickseite zwar den richtigen Stadtnamen, aber in ungewohnlicher Anordnung aufweist. Auch stilistisch passen die Bilder des Wiener Stiicks nicht in die Medaillonserie aus Bithynion. Was alles beim Umgravieren verandert wurde, offenbart sich nun anhand eines neuerdings bekannt gewordenen Antinoosmedaillons aus Niko- media {Taf. 13, 12), mit dem das Wiener Stuck urspriinglich stempelgleich war.31 Wahrend die Vorderseite bis auf ein Nachgravieren der Haarlocken mit der originalen Umschrift belassen wurde, schnitt man die Riickseite, die urspriinglich einen nackten Epheben mit Schultermantel vor einem Pferd stehend zeigte, zu einem nackten Jiingling mit Schultermantel vor einem Stier stehend mit unterschiedlichen Zweigen in den Handen und neuer Umschrift um. Das muss vor 1755 geschehen sein, da die Miinze in diesem Jahr bereits in ihrem heutigen verfalschten Zustand beschrieben wurde.32 Damit ist dieses Stuck vorlaufig der einzige, wenn auch indirekte bildliche Beleg fur das von Vaillant beschriebene Exemplar. Ikonographische Eigenheiten, wie die Nacktheit des Hermes, fallen daher hier nicht ins Gewicht, wohl aber die Gesamtszene. Antinoos steht vor einem machtigen Stier und prasentiert in den Handen zwei unterschiedliche Zweige. Der deutliche Hinweis auf zwei Pflanzenarten, die auf dem Miinzbild naturlich nicht mit Sicherheit botanisch identifiziert werden konnen, ist offensichtlich die zentrale Aussage des Bildes. Typus VI Ein Rs.-Stempel gekoppelt mit zwei Vs.-Stempeln; Portrat 1. und r. {Taf. 12, B, C; Taf. 13, 10): Das Brustbild mit schulterlangem Haar, Ahrenkranz und einem Gewand, das iiber die linke Brust herabgerutscht ist und diese sichtbar werden lasst, wurde haufig als Dionysos oder Manade beschrieben.33 Doch die deutlich erotische Komponente des herabgerutschten Gewandes, sowie die Wolbung einer weiblichen Brust sprechen eher fur ein Wesen aus dem Umfeld der Aphrodite. Der Ahrenkranz deutet im Zusammenspiel mit dem erotischen Aspekt der Gewand- drapierung auf eine Nymphe hin. Mionnet Suppl. 5, S. 19, 99. Das Stuck hat er vermutlich nicht selbst gesehen, denn er gibt nur die franzosische Ubersctzung des Textes von Vaillant wiedcr. AuBerdem ist es in der Bibliotheque Nationale in Paris nicht vorhanden (freundliche Mittcilung von M. Amandry). Auktion MM 52, 1975, 644; der Typus ist nicht bei Blum aufgefuhrt. Numismata Cimelii Austriaci Vindobonensis, Pars II (Wien 1755), S. VI, Taf. 25 II. Mionnet Suppl. 5, S. 19, 98 (Bacchus); Rec. gen. S. 270, 17, Taf. 41, 19 (Dionysos oder Manade) Blum S. 43, 2 (Dionysos oder Manade); MM 52, 1975, 639; Weiser S. 153 (Manadenkopf). 117 Typos VII Ein Rs.:Stempel gekoppelt mit einem Vs.-Stempel; Portrat 1. (Taf. 12, B; Taf. 13, 9): Apollon im langen Chiton und mit flatterndem Himation schreitet nach links und spielt die Lyra. Diese schlecht erhaltene Darstellung des Musagetes erschlielk sich durch den Vergleich mit einem beriihmten Statuentypus, der in einer guten hadrianischen Kopie in der Sala delle Muse der Vatikanischen Museen iiberliefert ist.34 Die zahlreichen Fragen, die sich aus der Forschungsgeschichte und der Beschreibung des szenischen Zusammenhangs der Medaillons ergeben, finden eine Antwort in dem alten arkadischen Hermesmythos, der in einem dem Homer zugeschriebenen Hymnus aus dem 7. Jh. v. Chr. iiberliefert ist. Natiirlich miissen die Bilder der Medaillons bzw. deren postulierte Vorlage in der Stadt Bithynion nicht unmittelbar auf dem homerischen Hermeshymnos aufbauen, doch be- inhaltet er die vollstandigste Uberlieferung des Mythos, wahrend zahlreiche andere Versionen nur in kleinen Fragmenten und einer Auflistung von Autoren zum Thema bei Antoninus Liberalis erhalten sind.35 Gegen eine direkte Uber- tragung des Hymnus in eine Bildversion spricht die Tatsache, dass der Hymnus abgesehen von seinem mythologischen Inhalt in der spateren Literatur nicht mehr zitiert wird.36 Es muB daher auch fur Bithynion eine eigene von Rhetoren und Kiinstlern verbreitete Version dieses popularen Mythos vermutet werden. In den inhaldichen Grundziigen stimmen allerdings der Hymnus und der Bildzyklus der Medaillons soweit iiberein, dass sich folgende Interpretation ergibt. Als Sohn der Nymphe Maia und des Zeus wurde Hermes in einer Hohle im Kyllene-Gebirge im «herdenreichen» Arkadien geboren. Das Gebirge war spater dem Hermes heilig und trug einen zu Pausanias Zeit bereits zerstorten Her- mestempel auf seinem Gipfel (Paus. VIII 17,1). Schon in der ersten Nacht nach seiner Geburt geliistete es Hermes nach Fleisch und er machte sich auf, die von Apollon gehiitete Rinderherde der Gotter zu stehlen. Er verlieB seine Geburts- hohle und eilte zum Olymp, wo er 50 Kiihe von der Herde absonderte. Um seine und der Herde Spuren zu verwischen und den Verfolger zu tauschen, wandte er verschiedene Tricks an, die im Hymnos zweimal erzahlt werden und damit eine gewisse Bedeutung bei der Charakterisierung des listenreichen Gottes einnehmen. Zuerst trieb er auf sandigem Untergrund die Herde kreuz und quer und lieB sie riickwarts laufen, so dass ihre hinteren Hufe vorne waren und die vorderen hinten (Hymn. 76 ff.; 210 f.; 340 ff.).37 Fiir sich machte er Sohlen aus Tamarisken- und 34 Zum Kontext der Statue als Fiihrer einer Gruppe der Neun Musen R. Nf.udecker, Die Skulpturenausstattung romischer Villen in Italien (Mainz 1988), S. 229ff. Nr. 66.9; LIMC II S. 203, Nr. 135 s.v. Apollon (O. palagia). Den Hinweis auf diese wichtige Miinze verdanke ich E.M. Pegan. 35 Sophokles, Ichneutae: A.C. pearson, The Fragments of Sophoklcs I (1917, Nachdr. Amsterdam 1963), S. 224ff; Antoninus Liberalis, Metamorphosen XXIII (Battos) 23; Apollod. Ill, 10, 2; zu weiteren Belegen s. ausfuhrlich T.W. ALLEN, W.R. Halliday, E.E. Sikes, The Homeric Hymns (Oxford 1936), S. 271ff. (der Mythos in der spateren Literatur mit Nachweisen). 36 Allen, Halliday, Sikes a.O. (Anm. 35), S. 277 37 Zum haufigen Motiv der Tauschung durch Rtickwartslaufen in anderen Zusammen- hangen s. Allen, Halliday, Sikes a.O. (Anm. 35), S. 292 mit Nachweisen. 118 Myrtenzwcigen und verwischte dadurch seine FuBspuren (Hymn. 79 ff.), - «als ware er auf jungen Eichen gegangen» heifit es weiter unten bei der Verhandlung des Diebstahls vor Zeus in Apollons Anklage (Hymn. 346 ff.). In einer anderen, kaiserzeitlichen Uberlieferung befestigte er Zweige an den Schwanzen der Tiere, urn ihre Spuren unkenntlich zu machen und trieb sie dann vor sich her.38 Am Ufer des Alpheios wurden die Kiihe getrankt und auf einer bluhenden Wiese mit Futter gesattigt, dann schlachtete Hermes zwei Kiihe, indem er sie mit riesiger Starke auf den Riicken warf, erfand das Feuermachen und opferte den 12 Gottern das gebratene Fleisch (Hymn. 105 ff.). Er warf seine Sandalen indie Flut des Alpheios und kehrte in seine Geburtshohle in die Wiege zuriick als sei nichts geschehen. Will man den Mythos mit den Bildern der Medaillons zusammenfuhren, muB zunachst ein Widerspruch geklart werden. Hermes vollbringt diese erste Tat als Neugeborener, der nicht alter als ein Tag ist, wird aber auf den Medaillons als bartloser Jungling dargestellt. Schon der Mythos weist ihm bei der Opferung zweier Rinder aus der Herde die Krafte eines Erwachsenen zu (Hymn. 117 ff.; 405 ff.). Um diese iibermenschlichen Krafte des Gotterkindes ins Bild zu iibersetzen, wurde der Rinderdieb in den wenigen Abbildungen des Mythos, die bisher nur in der spatarchaischen Vasenmalerei zu finden sind, bis auf zwei Ausnahmen als erwachsener Mann dargestellt.39 Spatere Bilder des Mythos sind nicht bekannt. Unter diesen Voraussetzungen sind die Medaillons wie folgt zu verstehen. Hermes legt die Hand auf den Nacken eines Rindes und nimmt es als pars pro loto der Herde in Besitz (Typus I, Taf. 12, 1-2). Dariiber leuchtet ein Stern, der neben den Apotheoseaspekten vielleicht auch ganz einfach als Hinweis auf die im Hymnus mehrfach angesprochene nachtliche Stunde des Diebstahls verstanden wurde (Hymn. 68 f.; 97 f.; 141; 341). Das folgende Bild mit der belehrenden Geste {TypusII) zeigtvermutlich Hermes, wie er die Herde instruiert, riickwarts zu laufen {Taf. 12, 3). Auf dem nachsten Bild {Typus IV) scheinen Hermes und das Rind in entgegengesetzte Richtungen zu schreiten {Taf. 13, 8). Der Folgegestus des Hermes lasst jedoch erkennen, dass er die Herde auffordert, ihm riickwarts zu folgen. Typus III und V haben den Trick mit den Zweigen zum Thema {Taf. 12, 4-6; Taf. 13, 7. 11). Der fliehende, weit ausschreitende Hermes blickt sich nach seinem Verfolger um, wiihrend er mit der rechten Hand nach einer schlanken Pflanze greift und neben ihm eines der Rinder grast. Auf dem anderen Bild halt Hermes vor einem Rind stehend zwei deutlich verschiedene Zweige in der Hand, die im Hymnus als Myrten- und Tamariskenzweige beschrieben sind. Mit beiden Szenen konnte das Spurenverwischen gemeint gewesen sein. In diesem szenischen Zusammenhang kann nun auch fur die weibliche Biiste des Typus VI eine Deutung vorgeschlagen werden {Taf. 13, 10). Die bereits angesprochene Nymphenikonographie lasst auf eine Darstellung der Nymphe Maia schlieBen, die als Mutter des Hermes am Anfang des Hymnus besungen wird. Antoninus Liberalis, Met. XXIII (Battos) 3. P. Zankkr, Wandel der Hermesgestalt in der attischen Vasenmalerei (Bonn 1965) 60ff.; E. Simon, Die Gotter der Griechen (Miinchen 1985) 296ff.; LIMC V/l, S. 309f., Nr. 241- 251 s.v. Hermes (G. Siebf.rt). 119 Analog dazu konnte ihr Bildnis auch den postulierten Bilderzyklus in Bithynion eroffnet haben.40 Das eingangs angesprochene Problem des fehlenden Kerykeions findet eben- falls im homerischen Hermeshymnus eine Erklarung. Nach dem Diebstahl der Herde auf der Fluent vor Apollon trug Hermes «nach alien Seiten sich wendend» nur einen «St.ab in der Hand» (Hymn. 210), so wird er von dem einzigen Zeugen des Diebstahls, einem Greis, der gerade seinen Weinberg bestellte, beschrieben. Erst als Apollon den Dieb uberfuhrt und Zeus den beiden streitenden Gottern Eintracht befohlen hat, kommt es zu einem Handel. Apollon verlangt von Hermes zum Ausgleich fur den Diebstahl dessen erste Erfindung, die Lyra, die Hermes kurz nach seiner Geburt aus einer Schildkrote gebaut hatte (Hymn. 24ff.). Hermes schenkt sie Apollon. Mit der Lyra wird Apollon, der bis dahin Hirte der olym- pischen Rinderherde und Bogenschiitze gewesen war, zum Fiihrer der olympia- dischen Musen (Musagetes) und zum Gott der Musik. Im Gegenzug iiberlaBt Apollon dem Hermes die gestohlenen Rinder und erhebt ihn zum Gebieter aller Herden, der weidenden Rinder, der Rosse, der arbeitduldenden Maultiere, der wildblickenden Lowen und Eber mit den schimmernden Hauern. Er macht ihn damit zum Hirtengott (Hymn. 475ff.; 567ff.). Fur das Versprechen, ihm niemals wieder etwas zu entwenden, uberreicht Apollon ihm zusatzlich das Kerykeion, den «dreigezweigten und goldenen» Stab des Reichtums und Segens und bestimmt ihn damit zum Mittler zwischen Gottern und Menschen (Hymn. 521ff.). Hermes erhalt also erst am Ende der Geschichte sein ureigenes Attribut von Apollon iiberrcicht. Konsequent zeigen die Bilder Hermes beim Rinderdiebstahl nur mit dem Hirtenstab. Diese Verteilung der gottlichen Zustandigkeiten wird im Bilderzyklus der Medaillons berucksichtigt. So schreitet auf dem Medaillon des Typus VII Apollon in seiner neuen Rolle als Musagetes in den langen Gewandern des Kitharoden nach rechts hin und spielt die Lyra, das Geschenk und die erste Erfindung des Hermes (Taf. 13, 9). Mit diesem Bild tritt Apollon zum ersten Mai in der Munz- pragung von Bithynion in Erscheinung. Obwohl der Gott nur ein weiteres Mai noch auf einer Pragung unter Garacalla nachgewiesen werden kann, muR er in Bithynion eine wichtige Rolle gespielt haben, denn in einer Inschrift zu einer im Jahr 134 aufgestellten Hadriansstatue wird die Phyle Apollonis erwahnt.41 Ob daraus zu schliefien ist, dass Hadrian, in Analogie zu dem neuen Gott Her- mes-Antinoos, mit Apollon Musagetes identifiziert wurde, wie er unter der Demos- 40 Nach einer allerdings unsicheren Rekonstruktion wurde Antinoos als Hermes in einem Hymnus aus Kourion auf Zypern «Spross der goldgefliigelten [Maia]» genannt: W.D. Leber, Ein Hymnus auf Antinoos, ZPE 12, 1973, S. lOlff. v.a. 128ff. Zur Darstellung der Maia mit Ahrenkranz F. Imhoof-Blumer, Nymphen und Chariten auf griechischen Miinzen,JIAN 11, 1908, S. 93ff, Taf. 5, 39. 41 Munze: Garacalla / Apollon auf Fels, Weiser S. 159, 5 - SNG v. Aulock 310; zu Inschrift und Apollonphyle Becker-bertau S. 19, 58 Nr. 52, nur zwei weitere Phylen sind bisher bekannt: die Zeus- und Sebaste-Phyle. 120 bezeichnung Mousagcteios in seiner Phyle Hadrianeios in Antinoopolis gefeiert wurde, muB freilich offen bleiben.42 Die Demennamen von Antinoopolis und die Medaillons von Bithynion lassen Hadrians Strategic deutlicher erkennbar werden, wie er dem einfachen Jiingling und dessen Heimatstadt eine angernessene eugeneia konstruierte. Er lieB darauf hinweisen, daB Bithynion eine Griindung des Heros Bithynos war und dessen Einwohner Arkader und damit Nachkommen von altehrwiirdigen Griinderheroen wie Kleitor und Parrhasios waren. Arkadische Abstammung gait nicht nur deshalb als besonders lobenswert, weil hier das alteste Volk der Mensch- heit wohnte,43 sondern auch wegen der ruhmreichen Gottergeschichte, die auf arkadischem Boden stattgefunden hatte. Hier hatte Hermes die Lyra erfunden, hier wurde Hermes zum Hirtengott und Apollon zum lyraspielenden Musagetes. In der kaiserzeitlichen Panegyrik waren solche Ereignisse des Gottermythos auf dem Territorium einer Stadt oder einer Landschaft ein hervorzuhebender Topos des Stadtelobs,44 der letztlich auch mit dem Aufgreifen des zentralen Gottermythos der arkadischen Urheimat in der Medaillonserie thematisiert wird. In Bithynion war Hermes bis zur Pragung der Antinoos-Medaillons auf den Munzen nicht vertreten. Von diesem Zeitpunkt an wurde er aber derart haufig dargestellt, dass daraus auf einen neuen Hauptkult der Stadt gcschlossen werden kann.45 Nebenbei konnte das Hervorheben des Hirtenaspekts in der Hermesapotheose des Antinoos damit zu erklarcn sein, dass er urspriinglich als Hirtenjunge in den landlichen Fluren von Mantineion gelebt hat. Wenn dies auch nur eine Vermutung ist, so diirften im Mythos und bei Betrachtung der Bilder doch allgemeine positive Assoziationen zum Hirtengenre mitgewirkt haben. Antinoos wird zuriickversetzt in eine Zeit, als Gotter und Konigssohne noch die Herden huteten. Seit Vergils Eklogen sind solche bukolischen Szenen zur verbreiteten Allegorie fur Frieden und Gliick gcworden.46 Dariiber hinaus war der neue Hermeskult besonders auf die Viehzucht als cinen wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt zugeschnitten, der schon von Strabon (XII 4, 7) ausdriicklich erwahnt wird. Dieser lobte die zum stadtischen Territorium gehorende Flur Salon, die zur Rinderzucht geeignet sei und guten Kase produ- ziere. Vom Kase schreibt auch Plinius (nat. hist. XI 241): (caesus) Bithynus fere in gloria est. 42 Siehe Anm. 19. Aus den Demenbezeichnungen Mousageteios der Phyle Hadrianeios und Apollonieus der Phyle Sebasteios will man auch sonst zu beobachtendc Reminiszenzen Hadrians an Augustus herauslesen: J. Beaujeu, La religion rornaine a l'apogee de l'empire (Paris 1955), S. 167f. Zur Hadrians Augustus-Imitation allgemein Birley S. 2, 96, 108, lllf., 147, 149f. 200f., 203, 296f. 43 Men. Rh. 354, 22 ff.; Fougeres S. 196 mit weiteren Belegen. 44 Verf., Bilder zum Ruhme Athens. Aspekte des Stadtelobs in der kaiserzeitlichen Munz- pragung Athens (Mailand 1999) passim. 45 Siehe die Typenliste bei WEISER S. 152f. s.v. Antinoos, Hermes, Pan-Antinoos. 46 N. Himmelmann, Bukolische Motive in der antiken Kunst, Minima Archaeologica (Mainz 1996) S. 152ff. 121 Fur einen neuzeitlichen Betrachter mag es allerdings seltsam erscheinen, class der neue Gott Hermes-Antinoos ausgerechnet als Rinderdieb in den Ursprungsmythos seiner Geburtsstadt integriert wurde. Ein Burger aus Bithynion hat diesen Mythos und seine bildliche Darstellung in der Stadt jedoch sicherlich als Loblied verstanden, denn in der humorvollen Diebstahlsgeschichte werden vor allem die wichtigen Wesensziige des Hermes beschrieben. Der Hymnus erklart, wie Hermes fur sich und seine Mutter Maia einen Platz im Olymp gewinnt (und ist damit eine sehr passende Metapher fur die Apotheose des Antinoos). Er feiert ihn nicht nur als Gott der Diebe und Herden, sondern auch als Gott der Eloquenz, der wortreich Zeus, Apollon und die anderen olympischen Gotter von seiner Unschuld zu tiberzeugen versucht, und als Erfinder, der nebenbei die Lyra, die Keryx, das Feuermachen und das Ritual des Fleischopferns erfindet.47 All das hat sich den Betrachtern der einzelnen Medaillons natiirlich nur dann erschlossen, wenn sie durch andere Medien vorbereitet waren. Als solche sind die Preisreden der Rhetoren auf die Stadt und den neuen Gott ebenso vorauszusetzen, wie eine bildliche Vorlage in Form von Reliefs oder Gemalden an einem prominenten Ort der Stadt wie etwa dem Theater oder dem neuen Antinoos- tempel, um den Zusammenhang der einzelnen Motive zu erklaren. Dass es solche Bildergeschichten von Grtinderheroen und -mythen an zentralem Ort gegeben hat, zeigt neben kaiserzeitlichen Theaterfriesen auch ein Gedicht aus dem 2. Jh. v. Chr. mit der Beschreibung eines Gemaldezyklus auf dem Burgberg von Pergamon, der die Taten des Herakles darstellte.48 Ohne Parallele steht allerdings bisher die Darstellung des Hermeshymnus in der Kunstgeschichte des Helle- nismus und der Kaiserzeit da. Nur eine Bildbeschreibung in den eikones des Philostrat (I 26) lasst sich als weiterer Beleg daftir anfuhren, dass Gemalde zu diesem offenbar selten dargestellten Mythos existiert haben. Mit der Wiederbelebung dieses uralten Mythos schuf Hadrian ein Bindeglied fur die drei Stadte, die in drei alten Kulturlandschaften als Zentren des neuen Antinooskultes eingerichtet wurden. Leider ist die archaologische Erforschung dieser drei Stadte im Hinblick auf hadrianische Bauten noch nicht weit fortgeschritten, doch sieht es so aus, als hatten neben der Griindung von Anti- noopolis in Agypten auch Mantineia im Herzen von Griechenland und Bithynion im Nordwesten Kleinasiens unter Hadrian eine Art Neugriindung erfahren. Mantineia, das seit 222 v. Chr. Antigoneia geheiBen hatte und zu Strabons Zeit weitgehend in Trummern gelegen haben muss (Strab. 8,8,2 p. 388), wurde von Hadrian im Verbund mit der Einrichtung eines penteterischen Agons (vermutlich identisch mit den Antinoea) zum Zentrum des wiederbelebten arkadischen Koinon gemacht. Das Stadion, in dem die Antinoea veranstaltet wurden, erwahnt Pausanias (8,10,1) vor den Stadtmauern und den Antinoostempel beschreibt er als Zu den Aspekten, unter denen der Hymnus Hermes feiert: Lexikon des fruhgriechischen Epos 2 (Gottingen 1991) S. 708ff. s.v. Hermeias (B. Madfr). L. Robert, Heracles a Pergame et une epigramme de l'Anthologie XVI 91, RPh 58, 1984, S. 7-18. Fur die Kaiserzeit ist ein Zusammenspiel der Themen auf Theaterfriesen und Miinzen festzustellen wie z.B. in Nysa: R. Lindner, Mythos und Identitat (Stuttgart 1994) S. I03ff. 122 das jiingste Bauwerk in der Stadt (Paus. 8,9,7). Zudem erhielt Mantineia wie Bithynion seinen alten Namen zuriick (Paus. 8,8,12).49 Die umfangreichen Bauten und Einrichtungen fur den Antinooskult verbunden mit weiteren Forderungen scheinen diesen Stadten Auftrieb gegeben zu haben, doch als Zentren eines neuen panhellenischen Andnooskultes verblassten sie bald wieder nach Hadrians Tod. Summary After the death and subsequent deification of Antinoos his native city Bithynion- Klaudiopolis produced a series of bronze medallions bearing his portrait. The reverses bore seven scenes illustrating the Arcadian myth of Hermes. This cycle was given its most complete description in the celebrated hymn to Hermes which in its existing form dates to the seventh century BC and has been ascribed to Homer. Thus, even if we have to assume that now lost local myths inspired the coin types, the hymn can provide clues to help us explain the medals' iconographic details behind the medallic series. By placing this series of scenes taken from old Arcadian myths on its coins, the city not only stresses its noble Arcadian origin but also emphasizes the ascendance of the new young god into Olympus. That the assimilation of Antinoos with Hermes Kyllenios was not merely of local importance can be seen from the deme names of the Phyle Oseirantinoeios at Antinoopolis, surely created under the influence of Hadrian himself. The deme names reveal a complicated mythological network which links Arcadia, Mandneia and Bithynion with Antioopolis. As was the case with the Panhellenistic League the construction of a common mythological foundation linking the centers of the new cult of Antinoos in the Peloponnesos, Asia Minor and Egypt must be ascribed to personal wishes of the Emperor. A.S.W. Dr. Hans-Christoph von Mosch c/o Gorny 8c Mosch Maximiliansplatz 20 D-80333 Mtinchen E-Mail: mosch@gmcoinart.de Fougeres S. 310ff,; A.J.S. Spawforth, Agonistic Festivals in Roman Greece, in: S. Walker, A. Cameron (Hrsg.), The Greek Renaissance in the Roman Empire, BICS Suppl. 55 (London 1989) S. 193ff. 195. 123 KATALOG™ Vs. A H nATPIC ANTINOON 0EON Drapicrte Biiste des Antinoos n.r. Typus I «Hermes fiihrt Rind n.l.; Stern» 1 BEI0YNIEQN AAPIANHN Hermes in Exomis mit Schultermantel und Flii- gelschuhen halt 1. Lagobolon und hat die Rechte auf den Riicken eines nach £ schreitenden Rindes gelegt, dariiber Stern. 1 38 mm 45.23 g 12 Berlin (28817); Rec. gen S. 270, 13, Taf. 41, 17; Blum S. 43, 4, Taf. 2, 13; A. v. Sallet, Die Antiken Miinzen; neu bearbeitet von K Regling (1929) 76f. {Taf. 12, 1) Typus II «Hermes mit Rind, halt die Rechte erhoben» 2 BEI0YNIEQN AAPIANHN Hermes in Exomis mit Schultermantel und Flii- gelschuhen halt 1. Lagobolon und vollfuhrt mit der Rechten einen rhetorischen Gestus, dariiber Stern, zu seiner r. Seite ein nach 1. schreitendes Rind. 2 37 mm 41.37 g 12 SNG von Aulock 297; RR. Franke, Kleinasien zur Romerzeit (Munchen 1968), Abb. 168; Leu 10, 1974, 156; Sotheby's New York, Juni 1991 (Hunt II), 769; Numismatica Ars Classica 6, 1993, 433 (Taf. 12, 3) 3 38 mm 42.83 g 12 Berlin (Lobb. 1906); Hirsch 14,1905,1108; Blum S. 43, 4 36 mm 39.56 g 37 mm 6 38 mm 45.56 g 12 7 38 mm 40.46 g M. Baranowski, Milano, Catalogo a prezzi segnati II und III, 1929, 1319; Ratto 1955 (Giorgi), 688; Lanz 24, 1983, 568 (abgegriff'en) Helbing Nachf. 83, 1941, 513; Schulman New York, Juni 1969 (TO. Mabott), 1096 (korrodiert) Giessener Munzhandlung 107, 2001, 305 (Rs. partielle Silberauflagen) Numismatica Ars Classica 21, 2001, 458 Typus III «Hermes mit Rind greift nach Pflanze» 3 BEI0YNIEQN AAPIANHN Hermes, in Exomis mit Schultermantel und Flugel- schuhen, mit zuruckgewandtem Kopf nach 1. eilend, halt 1. Lagobolon und greift mit der ausgestreckten Rechten nach einer langlichen Pflanze; zu seiner r. Seite Rind mit gesenktem Kopf, dariiber Stern. 8 38 mm 42.85 g 1 Paris (F.gen. 275); Rec. gen S. 270,14, Taf. 41,18; Blum S. 43, 7, Tf. 2, 15; H. Bosch, Arch.Anz. 1931, S. 451, Abb. 14 {Taf. 12, 4) Die nachfolgende Liste umfasst nur die mit Abbildungen publizierten Stiicke, deren Erhaltung eine Zuordnung der Stempel zulasst. Nicht abgebildete Exemplare wie z. B. BMC Pontus, etc. S. 117, 4 oder Berlin Inv. Sandes wurden nicht beriicksichtigt. 124 4 BEIGYNIEQN AAPIANQN; Typus III. 9 38 mm 45.53 g 6 Sternberg 7, 1977, 644; Leu 30, 1982, 367 (Taf 12, 5) Typus IV «Nach r. eilender Hermes mit einem ruckwarts springenden Rind» 5 BEI0YNIEQN AAPIANQN Hermes in Exomis mit Schultermantel und Fliigel- schuhen mit zuriickgewandtem Kopf nach r. eilend, halt I. Lagobolon und vollfuhrt mit der ausgestreckten Rechten einen Folgegestus, zu seiner r. Seite Rind n.l. mit erhobenen Vorderlaufen. 10 36 mm 43.53 g 6 Berlin (Lobb. 1906); Blum S. 43,6,Taf. 2,17 {Taf. 13, 8) Vs. B H IIATPIC ANTINOON 0EON Drapierte Buste des Antinoos n.l.; das Gewand wird auf der 1. Schulter von einer Scheibenfibel zusammengehalten 6 BEI0YNIEQN AAPIANQN Typus III (ohne Stern)51 11 37 mm 45.91 g Boston (1972.16), ex MM 41, 1970, 350; R. Pudill, Er zahmte die Wolfin. Das Fenster 152 (Kreissparkasse Koln 1996), S. 12 f. Abb. 12 38 mm 46.14 g 7 Gicssener Munzhandlung 76, 1996, 310 (Taf. 12, 6) 13 37 mm 42.05 g 12 Hess-Leu 49, 1971, 365; MM 52, 1975, 640 7 BEIOYNIEQN AAPIANQN Typus I 14 37 mm MM 13, 1954, 875 (Spuren antiker Versilberung) 15 38 mm 41.79 g 7 Wien (15.439); Blum S. 44, 9 {Taf 12, 2) 8 BEIOYNIEQN AAPIANQN Typus III (mit Stern) 16 37 mm 41.80 g 6 London: BMC Pontus, etc. S. 117, 3, Taf. 26, 2; Blum S. 44, 8, Taf. 2, 14 (Rs.); Sear 1322 (Taf 13, 7) Typus VI «Weibliche Buste» 9 BEIOYNIEQN AAPIANQN Weibliche Buste n.l. mit dunnem Gewand, das die 1. Brust entblosst, mit offenem Haar und einem Kranz aus Efeu und Ahren 17 36 mm 42.90 g MM 52, 1975, 639 Typus VII «Apollon Musagetes» 10 BEI0YNIEQN AAPIANQN Apollon, mit langem Gewand und Mantel nach r. schreitend, spielt die Kithara 18 38 mm M. Baranowski, Milano, Catalogo a prezzi segnati II und III (1929), 1318 (Taf 13, 9) Auf einem Taschenspiegel (ex Coll. Jameson) zeigt dieser Ruckseitcnstempel plotzlich den sechsstrahligen Stern (s. Anm. 2). Vermutlich wurde er zunachst vom Stempel- schneider vergcssen und erst nachtraglich, nachdem bereits einige Excmplare gepragt waren, hinzugefugt. 125 H nATPIC ANTINOON 0EON Schlankcrer Kopf des Antinoos n. r. mit DrSpierung an der 1. Schulter BEI0YNIEQN AAPIANQN Typus VI, Weibliche Biiste n.l. 38 mm 45.53 g 6 Paris (F.gen. 277); Rec. gen S. 270,17, Taf. 41,19; Blum S. 43, 2, Taf. Ill 1; Mionnet Suppl. 5, Taf. 1,1 {Taf. 13, 10) H nATPIC ANTINOON ©EON Kopf des Antinoos nach r. «Antinoos mit zwei Zweigen vor Stier» BEI0YNIEQN AAPIANQN Antinoos, frontal stehend, halt zwei unterschiedliche Zweige in den Handen, dahinter Stier Sammlung «Rcgina Suecia»; Mionnet Suppl. 5, S. 19, 99 36 mm 31.94 g 6 Wien (154340; Blum 44, 10 Tf. II 16 (Rs.) (um- geschnittenes Medaillon aus Nikomedia). (Taf. 13, 11) Einseitige Exemplare Vs. A H IIATPIC ANTINOON 0EON Drapierte Biiste des Antinoos n.r. Rs. blank 22 35 mm 35.72g Kopenhagen, SNG 338 23 32 mm Schulman New York, Tuni 1969 (TO. Mabott), 1098 Abbildungsnachweis Tafeln 12 und 13 A Nr. 1. Berlin. Foto nach Blum Taf. 2, 13 B Nr. 12. Giessener Munzhandlung 76, 1996, 310 C Nr. 19. Paris. Foto nach Blum Taf. 3, 1 1 Nr. 1. Rs. zu A 2 Nr. 15. Museumsfoto Wien 3 Nr. 2. Numismatica Ars Classica 6, 1993, 433 4 Nr. 8. Paris, Foto nach Blum, Taf. 2, 15 5 Nr. 9. Leu 30, 1982, 367 6 Nr. 12, Rs. zu B 7 Nr. 16. London, Foto nach Blum Taf. 2, 14 8 Nr. 10. Berlin, Foto nach Blum Taf. 2, 17 9 Nr. 18. Baranowski, Catalogo a prezzi segnati 1929, 1318 10 Nr. 19. Foto nach Blum Taf. 3, 1 11 Nr. 21. Wien. Vs. Museumsfoto, Rs. nach Blum Taf. 2, 16 12 Vergleichstuck aus Nikomedia zu Nr. 21. MM 52, 1975, 644 126 TAFEL 12 Hans-Christoph von Mosch, Antinoos in Bithynion-Klaudiopolis (1) TAFEL 13 Hans-Christoph von Mosch, Antinoos in Bithynion-Klaudiopolis (2)
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